Inhalt

Vorwort

Geschrieben von Karl Gustav Plaeschke

Die Überlieferungen innerhalb unserer Familie sind außerordentlich gering, Sie beschränken sich auf die Erinnerungen meiner Eltern an ihre Eltern und deren Geschwister und an den Vater dieser Generation, meinen Urgroßvater Carl Leopold Plaeschke, von dem nicht viel mehr bekannt war, als daß er in jungen Jahren ein Gut in Schlesien besessen hatte, das er später verlor. Die persönlichen Erinnerungen erstreckten sich wohl nur auf die goldene Hochzeit dieses Ahnen, die am 8. Februar 1888 in Juliusburg stattfand. An dieser Feier hatten auch meine Eltern als Kinder teilgenommen.

An Materialien lag in Händen meines Vaters vor:

  1. Eigenhändige Eintragungen - vielleicht in eine Bibel – zunächst von der Mutter meines Urgroßvaters aus den Jahren 1786 bis 1794, danach die Eintragung meines Urgroßvaters über den Tod seiner Mutter 1837 (A. 1).
  2. Abschrift der Todesurkunde des Vaters meines Urgroßvaters und Abschrift der Geburtsurkunde meines Urgroßvaters, wahrscheinlich von der Hand meines Großvaters (A. 2).
  3. Zwei Miniaturen auf Elfenbein von Männerköpfen aus der Zeit um 1800, von denen nicht zu ermitteln war, wen sie darstellen. Wahrscheinlich handelt es sich um den Vater und den Großvater meines Urgroßvaters.

Leider sind von meinen beiden Großvätern so gut wie keine schriftlichen Nachlässe oder sonstige Schriftstücke vorhanden. Das Interesse an Familiengeschichte war früher sehr gering und beschränkte sich auf persönliche Erinnerungen. Zudem ist durch die Folgen zweier Kriege auch noch vieles verloren gegangen.

Mit diesem geringen Material ging ich, unterstützt von meinem Vater, etwa ab 1930 daran, die Geschichte unserer Familie aufzuzeichnen und weitere Unterlagen aufzusuchen. Dabei kam mir zugute, daß ab 1934 durch die NS-Gesetzgebung mit der Notwendigkeit des Ahnennachweises die Familienforschung sehr gefördert wurde und die Beschaffung von Standesamts- und Kirchenbuchauszügen keine Schwierigkeiten machte. So erhielt ich fast alle Urkunden über meine direkten Vorfahren bis zur Taufe von Carl Friedrich Plaeschke 1778. Die sicher recht umständliche und zeitraubende Fortführung dieser Arbeit wurde mir durch einen überraschenden und glücklichen Zufall abgenommen.

Ich hatte mich bei meinen Nachforschungen bemüht, auch in der damaligen Preußischen Staatsbibliothek in Berlin genealogisches Material zu bekommen und suchte in Sippen- und Geschlechterbüchern nach dem Namen Plaeschke. Dabei fand ich in einem "Verzeichnis Deutscher Familienverbände und -Forscher" von 1932 die Eintragung:

Plaeschke, Alfred, Buchhändler, Wismar, (Mecklenb.) Burgwall 2. Ich schrieb sofort an diese Anschrift und bekam bald sehr freundliche Nachricht, in der sich der Buchhändler als Angehöriger eines Familienzweiges vorstellte, der sich im 18. Jahrhundert von unserem Zweig getrennt hatte. (Strehlener Linie)

Das Überraschende aber war, daß ein Angehöriger dieser Linie schon eine Familienchronik geschrieben hatte, die bis auf den ältesten nachweisbaren Vorfahren im 16. Jahrhundert zurückging und die nun durch Alfred Plaeschke und seinen Vater, den Geh. Justizrat Alfred Plaeschke in Liegnitz fortgesetzt wurde. Es entspann sich ein lebhafter Briefwechsel zwischen uns, da beide Seiten sich freuten, ihr Material ergänzen zu können. Im Verlauf einer Reise, die ich 1937 nach Breslau, Liegnitz und Brieg machte, um an Ort und Stelle meine Forschungen fortzuführen, besuchte ich auch den Justizrat Plaeschke und seine Familie in Liegnitz, wo ich sehr freundlich aufgenommen wurde und Gelegenheit hatte, seine umfangreiche familiengeschichtliche Sammlung zu besichtigen, u. a. auch wertvolles Zinngeschirr aus dem 18. Jahrhundert, das von einem Zinngiesser aus unserer Familie stammte.

Die Entstehung dieser alten Familienchronik ist übrigens darauf zurückzuführen, daß Johann Gottlieb Burghardt, dessen Tochter Johanna Christine den Begründer der anderen, Strehlener Linie heiratete, im Jahre 1735 eine Chronik der Stadt Strehlen schrieb, die im "Strehlener Stadtblatt" von 1832-1837 unter dem Titel "Strehlener Stadtgeschichten" abgedruckt wurde. Diese Chronik bildet die Grundlage für die von den Strehlener Plaeschkes fortgeführte Familiengeschichte.

Aufgrund dieses Materials gelang es mir dann, weitere Urkunden unserer Vorfahren bis 1639 aus Strehlen zu beschaffen.

In Breslau besuchte ich das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche Schlesiens, in dem die älteren Kirchenbücher aller Gemeinden aufbewahrt wurden. Mit Hilfe des Archivars, der mir bei der Entzifferung der Folianten aus dem 16. und 17. Jahrhundert beistand, konnte ich dort noch weiteres Material gewinnen.

Besondere Freude hatte ich, in Brieg in dem Rathaus, in dem unser Vorfahr Christian Ernst Plaeschke 1747 - 1778 Bürgermeister war, Akten einzusehen, die die Unterschrift den Bürgermeisters Plaeschke trugen. Leider konnte ich bei der Kürze der Zeit keine Kopieen machen lassen.

Der Abschluß meines Studiums in Berlin, meine Anstellung in Stettin und der Kriegsausbruch unterbrachen weitere Tätigkeiten auf diesem Gebiet. Umso größer war die Freude, als ich auf einem Heimaturlaub mit meinem "Vetter" Alfred aus Wismar 1941 in Güstrow zusammentreffen konnte. Es reichte nur zu zwei Stunden Gespräch im Wartesaal des Bahnhofs, aber es war das erste und leider auch einzige Mal unseres Zusammenseins. Mit Alfred Plaeschke stand ich bis zu seinem Tode im Jahr 1981 im Briefwechsel, der dann mit seinem Sohn, Dr. Herbert Plaeschke, in Halle fortgesetzt wurde.

[handschriftlich] Preuß VIII, 435

Kopie der Titelseite der Strehlener Chronik von J. C. B.
(Johann Gottlieb Burghardt) aus dem Strehlener Stadtblatt 1832 Nr. 5

Die folgende Chronik stützt sich also auf folgende Unterlagen:

  1. Urkunden, Kirchenbuch- und Standesamtsauszüge, die ich gesammelt habe.
  2. Die von Alfred Plaeschke aus dem Besitz der Strehlener Linie geerbte und fortgeführte Familienchronik.
  3. Auszüge aus einschlägiger geschichtlicher Literatur.
  4. Persönliches Material und Überlieferung.

Nachdem ich meine Arbeiten 1937 vorläufig abgeschlossen hatte, begann mein Vater im September 1938 mit der Niederschrift einer Familiengeschichte. Fertiggestellt wurde allerdings leider nur die Einleitung, zu der er zum größten Teil die Urschrift des Justizrat Plaeschke aus Liegnitz (s. S. 2) von 1935 verwenden konnte.

Ich stelle diese Einleitung wörtlich als Einführung in die Familienchronik voran.


Seite 5 fehlt und wird nachgereicht.


Einleitung.

von Alfred Plaeschke, Liegnitz 1935.
Abschrift von Karl Bruno Plaeschke 1938.

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Seiten 8-12 fehlen und werden nachgereicht.


Der Name Plaeschke.

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Seiten 14-16 fehlen und werden nachgereicht.


Brief von Carl Leopold Pl. an seinen Sohn Robert.

Abschrift von Abschrift

Hüben, den 6. September 1868.

Lieber Robert!

Es freut mich sehr, daß Du wenigstens ein Lebenszeichen von Dir giebst, wie es Dir in diesem Feldzuge geht und daß Du als fahrender Ritter auf dem Ahnenschloß derer von Plaeschke gastliche Aufnahme gefunden.

Was nun unsere Stammverwandtschaft angeht, so war mein Großvater, der Syndicus P. in Brieg und der Ahne Plaeschkes in Strelen leibliche und geistige Brüder. Ich meines Theils hatte in meiner Jugend das Glyck, beide Familien P. in Strehlen, den Kämmerer und Kaufmann, in Begleitung seiner Mutter und meines Onkels, des verstorbenen Justiziarius Falkel zu Fürstenstein, zu besuchen und kennen zu lernen: es war zu der Zeit, als der Maler Plaeschke nach Italien gehen wollte.

Unser beider Familien-Urahn hängt / im Bildnis / in der Kirche zu Mechwitz bei Wansen neben der Kanzel: vielleicht kommst Du einmal dorthin, da melde Dich beim Gutsbesitzer Vateri, einem Jugendfreund von mir.

Unser Wappen: drei halbe Monde mit Helm und drei Rosen.

Falkel hatte eine Schwester, meines Vaters.

Grüße mir also meine unbekannten Verwandten und amusiere Dich gut, und mache der Familie und Deinem großen Ahnherrn keine Schande. Die Professoren Müller, einer in Brieg am Gymnasium, der andere Professor der Chemie an der einstigen Münze zu Breslau waren eine Seitenlinie der Plaeschkes, und in Ohlau der verstorbene reiche Hielscher mein Onkel.

Na hast Du jetzt genug Ahnen? So ich Dich herzlich grüße sowie natürlich die ganze Burgherrschaft Dir herzlichen Gruß entsendet, erwarte ich recht bald wiederum ein paar Zeilen.

Dein
Dich liebender
Vater Plaeschke.

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Familienwappen

Wie meine Nachforschungen ergaben, ist in Siebmachers Deutschem Wappenbuch (Abt. 5, Bd. l-12, Bürgerliche Wappen), der umfangreichsten Sammlung deutscher Familienwappen, kein Wappen für den Namen Plaeschke oder einen ähnliche Namen enthalten.

Auf die konkreten Angaben in obigem Brief hin habe ich 1962 in Berlin Herrn Dr. Ottfried Neubecker, einen der führenden Genealogen Deutschlands, beauftragt, ein entsprechendes Wappen zu entwerfen.

Das Wappen wurde nach diesen Angaben gezeichnet und am 2. Februar 1963 in die "Deutsche Wappenrolle" des "Herold", Organ zur Pflege von Heraldik und Genealogie, eingetragen.

Literatur.

Zur Geschichte Schlesiens.

Der Große Brockhaus. 16. Auflage. Wiesbaden. 1957.

Fedor Sommer. Die Geschichte Schlesiens. Breslau. 1908/Reprint 1972. Aufstieg Verlag München.

Schlesische Volkskunde. Josef Klapper. Brentanoverlag Stuttgart 1952.

Franz Hartmann. Geschichte der Stadt Münsterberg. Münsterberg 1907.

Franz Xaver Görlich. Geschichte der Stadt Strehlen. Breslau 1853.

Geschichtsquellen der Grafschaft Glatz, herausgegeben von Dr. Volkmer und Dr. Hohaus. (Preuß. Staatsbibliothek).

Strehlische Chronika des Johann Gottlieb Burghardt, abgedruckt unter dem Titel: "Strehlener Stadtgeschichten" im Strehlener Stadtblatt 1832 - 1837.

Zur Panzerfregatte "Großer Kurfürst".

Erich Gröner. Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1936.

Albert Röhr, Handbuch der Deutschen Marinegeschichte, 1903.

v. Manthey, Unsere Kriegsmarine. Berlin 1935.

Fritz E. Giese. Kleine Geschichte der Deutschen Flotte, (nach 1965)

Familiengeschichte in Generationen.

1. Die Glatzer Plaeschkes

2. Weitere Generationsfolgen.

I. GenerationGeorge Plaeschke d.Ä.ca. 1550 - 1600
II. GenerationGeorge Plaeschke d.J.ca. 1600 - 1649
III. GenerationSamuel Plaeschke d.Ä.1639 - 1727
IV. GenerationSamuel Plaeschke d.J.1665 - 1725
V. GenerationChristian Ernst Plaeschke1695 - 1778
VI. GenerationCarl Rudolf Plaeschke1729 - 1805
VII. GenerationCarl Friedrich Plaeschke1778 - 1815
VIII. GenerationCarl Leopold Plaeschke1815 - 1891
IX. GenerationCarl Ferdinand Plaeschke1839 - 1919
X. GenerationKarl Bruno Plaeschke1875 - 1945
XI. GenerationKarl Gustav Plaeschke1911
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Die Glatzer Plaeschkes

Die Familiennamen Blaske, Blaschke u.a. kommen, wie schon oben ausgeführt, in den Urkunden der Stadt und Grafschaft Glatz häufig vor. Da auch die ältesten nachweisbaren Vorfahren unserer Familie aus Glatz stammen, muß ein Zusammenhang mit diesen Namen angenommen werden, und die aus der Zeit um 1550 bis 1590 erwähnten Namen dürften Verwandte der Vorfahren unserer Familie sein.

Über die möglichen Verwandtschaftsbeziehungen besteht eine sehr ausführliche Niederschrift des Justizrats Alfred Plaeschke, die jedoch keine endgültige Klarheit schafft (s. Anhang, Quellen und Abschriften), Grundlage dafür bilden die Glatzer Stadtbücher von 1526-1590, bezw. der Index dazu, da die meisten Stadtbücher nicht mehr vorhanden sind. Die Auszüge hieraus wurden von dem Sippenforscher Theodor Ebel im Auftrag der Strehlener Familie Plaeschke gemacht.

Die Kirchenbücher von Glatz aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg sind leider bei einem Brand im Jahre 1922 vernichtet worden. Als mögliche Vorfahren des George Plaschke, mit dem die Überlieferung unserer Chronik beginnt, kommen danach in Frage:

  1. Valten (Valentin) Plaschke, erscheint im Index 1526-1543 als Gläubiger in einer Schuldurkunde und 1543-1551, wo er seinen Vormündern Entlastung erteilt.
  2. Simon Plaschke, aus dem Index der Jahre 1526-1543 übergibt sein Vermögen seiner Ehefrau.
  3. Hans Plaschke wird erwähnt in den Indices 1543-1551 und 1552-1562, ferner 1596 und 1602. Es handelt sich offenbar um zwei verschiedene Personen namens Hans, von denen einer als Sattler bekannt ist, der einmal ein Haus von Marten Reitner kauft und danach sein Haus von seiner Mutter und seinen Geschwistern kauft. Bei den späteren Eintragungen handelt es sich um Schuldverschreibungen.
  4. Weiterhin erwähnt werden 1563 Procob Pleschke und Jacob Plaschke (vielleicht identisch, wenn Procob falsch gelesen wurde und Jacob heißen sollte, weil der Vorname ungewöhnlich ist). Einmal verkauft er sein Haus "auf ein Anger gelegen zunächst Valten Blaschke", das andere Mal quittiert er über 3 Schock Meissensche Groschen.

Einer dieser vier Plaeschkes kommt als Vater des Schuhmachers George Plaschke, mit dem die gesicherten Nachrichten beginnen, in Betracht. Von ihm ist nur überliefert, daß er "Gräupner und Bürger in Glatz" war. Der Beruf eines Gräupners ist heutzutage nicht mehr bekannt, es ist unklar, was damit gemeint ist. Er kann etwa von 1520 bis 1560/70 gelebt haben.

I. Generation.

George Plaschke, geb. um 1550.

Nach der Strehlener Chronik war der Vater des Pfarrers George Plaeschke ein Schuhmacher namens George. In den Stadtbüchern von Glatz wird ein einziges Mal ein Georg Plaschke erwähnt, und zwar 1588 und 1590 als Hausbesitzer auf der Frankensteiner Gasse. Da der Name in den Stadtbüchern sonst nicht vorkommt, ist anzunehmen, daß es sich hier um den Schuhmacher George PI. handelt. Von ihm ist nur ein Sohn George, der Pfarrer, bekannt.

II. Generation.

Georg Plaschke, geb. ca. 1590, der Sohn des Schuhmachers Georg Plaschke, studierte Theologie und latinisierte seinen Namen später zu Georgius Plaschkius. Er war als Geistlicher zunächst in Neobschütz tätig (der Ort ist auf der Karte S.13 a nicht verzeichnet, vielleicht handelt es sich um Leobschütz in Oberschlesien?) dann in Seitendorf und Stolz (s. S. 9) und von 1636 an als Diaconus der evangelischen Stadtkirche in Münsterberg (s. S. 9). Von dort wurde er im Zuge der Gegenreformation 1638 vertrieben.

Über die näheren Umstände dieser Ereignisse gibt es eine ausführliche Darstellung in der "Geschichte der Stadt Münsterberg" von Franz Hartmann (1907):

Münsterberg war unter dem Herzog Karl I., der von 1511 bis 1536 regierte, noch dem alten Glauben treu geblieben. Nach dem Tode des Herzogs änderten sich die Verhältnisse im Herzogtum mit einem Schlage. Wenn auch unter Karls Regierung heimliche Anhänger der neuen Lehre in der Bürgerschaft vorhanden waren, so wurde sie jetzt, da die herzoglichen Brüder sich nach ihres Vaters Tode offen zu ihr bekannten, zur herrschenden Religion, Die katholische Geistlichkeit an der Pfarrkirche wurde 1537 vertrieben und diese mit evangelischen Lehrern besetzt. So blieb es fast ein Jahrhundert lang bis zur Regierung Kaiser Ferdinands II. (1619-1637), der im Jahre 1629 mit der gewaltsamen Wiedereinführung des Katholizismus begann.

"Am 25. Januar 1629 hielt der evangelische Pfarrer von Münsterberg seine Abschiedspredigt und reiste mit seinem Diaconus von Münsterberg ab. Am folgenden Tage rückte von Dohna an der Spitze zweier Kompagnieen Lichtensteiner Dragoner in die Stadt ein, nahm den Protestanten die Pfarrkirche sowie die kleine Begräbniskirche weg und übergab sie den Katholiken. - Nicht lange jedoch konnten sich die Katholiken der wiedergewonnenen Pfarrkirche freuen.

Als im Jahre 1632 kursächsische Truppen die Stadt besetzten, mußte der damalige Pfarrer Friedrich Bresler, nachdem er am 12. September seine Abschiedspredigt gehalten, aus Münsterberg weichen. Die Evangelischen hielten nun beide Kirchen besetzt bis zum Jahre 1639.

Aus diesem Zeitraum sind uns wenige auf die kirchlichen Verhältnisse bezüglichen Nachrichten erhalten geblieben. Nach gleichzeitigen Aufzeichnungen in den Taufbüchern wurde am 30. September 1633 Johann Letsch, bisher Pfarrer in Bärdorf, als Diaconus bei der Münsterberger Pfarrkirche angestellt. Am 24. August 1636 erfolgte dann seine Einführung als Pastor daselbst und hielt derselbe an diesem Tage seine erste Pastoratspredigt. Zugleich wurde ihm Georg Plaschke als Diaconus beigeordnet.

Am 12. August 1638 verfügte der Nachfolger Ferdinands II., Kaiser Ferdinand III. von Prag aus an den Landeshauptmann Christian Ferdinand von Ickowitz: Der Landeshauptmann habe den Prädikanten binnen acht Tagen aus der Stadt zu weisen und einen guten exemplarischen katholischen Priester dahin wiederum einzusetzen. Auch solle derselbe darauf bedacht sein, daß der Ratstuhl mit katholischen Personen soviel wie möglich besetzt werden möge.

Ein diesbezüglicher Befehl des Landeshauptmanns forderte die Schließung der Kirche und das Erscheinen des Bürgermeisters, der Ratsmänner und der lutherischen Geistlichen vor der königlichen Regierung zu Frankenstein. Der Rat berief in der Nacht zum 31. August die Geschworenen und Zechmeister auf das Rathaus und teilte denselben den Inhalt der Verfügung mit. - Der Rat sandte als Deputierte nach Frankenstein nur den Bürgermeister und den Stadtvogt, welche am folgenden Tage eine Erklärung überreichten, worin gebeten wird, ... das Ausbleiben ihrer Geistlichen und der Kirchen schlüssel ... in keinen Ungnaden zu vermerken, ihnen ihre Pastores bei der Kirche zu vergönnen und auch bei dem Kaiser Fürbitte einzulegen, damit sie bei dem Exercitium religionis Augustanae verbleiben könnten.

Auf dieses hin wurden die beiden Deputierten in Arrest gebracht. Nach einer nochmaligen Verfügung des Landeshauptmanns an den Stadt, die Schlüssel am 1.September mittags um 1 Uhr ihm auf dem kaiserlichen Schlosse einzuhändigen, überreicht die Bürgerschaft am 1. September eine Bittschrift um Belassung ihrer Pfarrer und Dimittierung ihrer Deputierten. Hierauf wird ihnen bei Verlust ihres Hab und Gutes und Leib- und Lebensverwirkung anbefohlen, die Geistlichen binnen heut und morgen bis um 10 der halben Uhr vormittags fortzuschaffen. Auch sollen sich von einem jeden Mittel zwei geschworene Älteste, die noch anwesenden Ratsverwandten und Schöppen in der angemeldeten Frist vor ihm auf dem königlichen Schloß in Frankenstein gestellen und weiteren Bescheid abwarten.

Es reisten nun ... (8 Ratsherren und Geschworene) dahin ab. Von dem Landeshauptmann zur Ausführung seiner Befehle aufgefordert, weigerten sie sich dessen ebenfalls, worauf sie in Haft genommen wurden. Auf den weiteren Befehl, daß aus jeder Zeche noch ein Jüngster und zwei Bürger sich zu stellen hätten, sandte man am 3. September nur ....(zwei Bürger) dahin, die ebenfalls in Arrest geführt wurden. Inzwischen hatten die am September anwesenden wenigen Schöppen an die Deputierten ein Schreiben gesandt, um Erteilung einer Frist zu bitten, damit sie ihre Not und bedrängten Zustand vor Sr. Majestät bringen könnten. Da auch dieser Schritt ohne Erfolg blieb, richteten die zurückgebliebenen Glieder der Stadtverwaltung an die evangelischen Landesstände des Fürstentums Münsterberg und Frankensteinischen Weichbildes ein "weh- und demütig Klaglibell", worin sie über die Arrestierung ihrer Deputierten und über die Fristverweigerung Klage erheben und sich der Intervention der Stände getrösten.

Am 7. September stellen endlich die in Frankenstein in Arrest befindlichen Bürger einen Revers aus, in welchem sie sich damit einverstanden erklären, daß durch die vom Landeshauptmann abzuordnenden Kommissarien der Münsterberger Prädikant samt den übrigen Kirchen- und Schuldienern abgeschafft, die Kirche gesperrt und die Schlüssel dem Hauptmann überbracht wurden. Mit diesem Revers ausgerüstet, begab sich an demselben Tage eine Kommission nach Münsterberg, verabschiedete auf dem dortigen Rathause den Pastor Johannes Letsch, den Diaconus Georg Plaschke, den Kantor Georg Langer und den Organisten Heinrich Hoffmann, versiegelte die Kirche, nahm dem Pastor die Schlüssel dazu ab und eilte nach Frankenstein zurück. Nunmehr erst wurden die Arrestanten entlassen."

Über das weitere Schicksal des Pfarrers Georg Plaschke ist wenig bekannt, In dem ältesten Kirchenbuch der Gemeinde Eisenberg-Riegersdorf (s. S. 10) von 1590-1663, das ich in einer Abschrift aus dem Jahr 1771 im evangelischen Zentralarchiv für Schlesien in Breslau am 3.8.1937 einsehen konnte, heißt es:

"1646. Auf Johann Linsnerum folgt George Plaschke Senior. Von diesem ist auch nichts bekannt, als daß er, nach Nicol. Fribens Anmerkung, vorher in Münsterberg war als Diaconus bei der damals evang. Stadtkirche gewesen, von wannen er aber A. 1638 d. 7. September bei den dortigen Religionsunruhen und der den Evangelischen dabei geschehenen Entreißung ihrer Pfarrkiche ins Exilium wandern müssen. Er ist darauf allhier zu Eisenberg und Riegersdorf Pfarrer worden, u. von circa 1646 an in hiesigem Amte gestanden. Während seiner Amtsführung sind nur die drei nachstehenden Täuflinge zu finden:

  1. ...
  2. ... 15.4.1646
    Paten: Georgius Plaschkius, Theolog. Studiosus.
    ...
    Fraw Maria Plaschkin, Pfarrfraw allhier.
  3. ... 26.4.1646
    Paten: Herr Georgius Plaschkius, Pfarrer allhier.

Hier geht zu Ende, was Georgius Plaschke Sen. eingeschrieben, wofern diese 3 Täuflinge, als welche nur auf einem einzelnen eingelegten und nicht eingebundenen Blatt stehen, noch von seiner Hand seyn, welches ungewiss ist."

Georg Plaschke war verheiratet mit Maria Klinckowsky. Er hatte zwei Söhne: 1.) Georg Plaschke, geb. ca. 1620/23, 2.) Samuel Plaschke, geb. 17.2.1639 in Strehlen.

Hieraus geht hervor, daß er nach der Vertreibung 1638 zunächst nach Strehlen (s. S. 9) ging, wo ein Zweig der Familie bis ins 19. Jahrhundert verblieb, und wo ihm sein zweiter Sohn Samuel geboren wurde, der die Stammfolge unserer Familie fortsetzte.

Erst 1646 übernahm er die Pfarrei in Eisenberg-Riegersdorf und ist entweder dort oder in Strehlen 1649 gestorben.

(? zu Mechwitz verstorben)

III. Generation.

Kinder von Georg Plaschke d.Ä.

  1. Georg Plaschke (d. J.) geb. ca. 1620/23.

    Wurde ebenso wie sein Vater nach dem Studium der Theologie Pfarrer, Er war seit 1648 Amtsnachfolger seines Vaters in Eisenberg und wurde dort 1648 ordiniert. Da er nach einer Eintragung im Kirchenbuch am 16.4.1646 noch als stud. theol. bezeichnet wird, muß er ziemlich jung ins Amt gekommen sein. Sein Geburtsdatum würde daher spätestens ins Jahr 1623, wahrscheinlich früher fallen.

    Über seine Amtsführung heißt es in o. gen. Kirchenbuch:
    "Dieser George Plaschke junior ist ca. 1648 hier Pfarrer worden und A. 1654 von dem Briegischen Consistorio seines Amtes wiederum entsetzt worden. In seine Amtsführung treffen nachstehende Täuflinge: (folgen drei Eintragungen aus den Jahren 1652 und 1653, von denen noch gesagt wird, daß sie sehr flüchtig und unleserlich geschrieben sind).

    Hier endiget sich die Hand des Georgii Plaschke jun. und mögen wol noch bis zu Ende des gegenwärtigen u. im Anfänge des folgenden Jahres einige Taufen vorgefallen seyn, die aber nicht eingeschrieben wurden. Nun kommt die Hand des Herrn Nicolaus Friben, der dem vorigen im Amt unmittelbar nachfolgt und dem wir die Nachrichten, die in den ältesten beiden Kirchenbüchern zu finden seyen, allein zu danken haben, eines ordentlichen Mannes und accuraten Protocollisten, der wenigstens nicht mit Willen ganz unleserlich geschrieben, wie sein Antecessor."

    Dieser Pfarrer Nicolaus Friben schreibt dann bei seinem Amtsantritt 1654:

    .... "Weile aber Herr George Plaschke, gewesener Pfarrer zum Eysenberg, von dem Hochlöbl. Briegischen Consistorio/ wie die Vrsachen männiglich bewußt/ removiret u, diese Pfarrstelle vacirend geworden. Als habe von dem Wol Edel geborenen und Gestrengen Herrn Melchior von Gafron und Oberstradam, Erb- und Lehnsherr auf Eysenberg, rechtmäßige und ordentliche Vocation zu der Eysenbergischen Kirchen erlanget,"

    Es wäre sicherlich interessant, die Ursachen für seine Amtsenthebung zu wissen, aber hierüber schweigen die Kirchenbücher, George Plaschke war verheiratet mit einer Frau Susanna, die als "Pfarrin dieses Orts" erwähnt wird, und hatte zwei Söhne:
    1. Georgius, gestorben 4.11.1653, 4 Jahre alt. (geb. also 1649)
    2. Christianus geb. 20.3.1652.
    Weiteres ist von ihm nicht bekannt, es fehlen auch Nachrichten, ob der Sohn Christian Nachkommenschaft gehabt hat.
  2. Samuel Plaschke (d. Ä.), geb. 17.2.1639 Strehlen
    + 12.5.1727 Strehlen

    Der zweite Sohn Georg Plaschkes d. Ä. ist in Strehlen geboren und erlernte dort das Tischlerhandwerk. Er war der Erste, bei dem sich der Name Plaschke zu Plaschke wandelte (1665 wird er in den Urkunden Pleschke, 1712 Pläschke geschrieben). Er wird bei seiner Hochzeit 1665 als "ein Junger Geselle, Bürger und Tischler", bei der Taufe seines Sohnes Samuel als "Bürger und Tischler-Handtwerksmeister", und 1722 als "vornehmer Bürger und Tischler, wie auch der Gemeine Vorgeher" bezeichnet.

    Am 10.2.1665 heiratete er in Strehlen Magdalena Furchund, geb. 10.3.1641 in Strehlen, Tochter des Fleischhauers Martin Furchund (damals geschrieben Forchundt) in Strehlen (geb. ca. 1610, + nach 1665) und seiner Frau Martha. Von ihm ist nur ein Sohn bekannt, Samuel Plaschke (d. J.), der ihm 1665 geboren wurde. - Er starb im Alter von 88 Jahren in Strehlen, zwei Jahre nach dem Tode seines Sohnes und fünf Jahre nach dem Tode seines Frau Magdalena, am 12.5.1727.

IV. Generation.

Samuel Pläschke (d. J.) geb. 27.11.1665 Strehlen

+ 16.2.1725 Strehlen

Der Sohn des Tischlermeisters Samuel Pläschke wurde "Pfefferküchler" in Strehlen. Er heiratete am 29.10.1686 Justina Gerstenberger, geb. 1670 (also 16 Jahre alt!). Sie war die Tochter von Michael Gerstenberger, "Rentschreiber des des damals fürstlichen TBichischen Ampts zu Friedersdorf" und starb am 12.10.1712, 42 Jahre alt, in Strehlen.

Samuel Pläschke war "vornehmer Bürger und Pfefferküchler, wie auch Schöppen Stuels verwandt" (also Schöffe) und gehörte auch dem Kirchenvorstand der Gemeinde an. Sein Name war auf den 1708 von der Kirche neu angeschafften Glocken verzeichnet, wie aus der Burghardtischen Chronik hervorgeht:

"1708 den 5. Septembris Ist von denn 3 Neugegossenen Glocken die Kleineste zuerst auf denn großen Kirchturm gezogen worden...

Inscriptio Campanae Minoris
Indicans Annum
Haec ego Grassentes qVonDaM
Correpta per Ignes
Existentibus Templi Praefectis
Henrico Tilesio, Samuele Plaschkio
Clemente Hoffmanno.

Auf der anderen Seite stehet:

Damalige Kirchen Vorsteher In Strehlen.

Heinrich Tielisch Samuel Pläschke Clement Hoffmann
Ein Fleischhacker Ein Pfefferküchler Ein Kürschner."

Samuel Pläschke hatte von seiner Ehefrau Justina drei Kinder:

  1. Anna Justina
  2. Maria Magdalene
  3. Christian Ernst (s. V. Generation)

Nach dem Tode seiner Frau Justina heiratete er in zweiter Ehe Anna Maria Froneber. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne:

  1. Samuel Gottlieb. Er wurde wie sein Vater Pfefferküchler und heiratete Johanna Eleonore Gebauer. Sie hatten eine Tochter, Christiane Friederike, die mit dem Syndicus Siebert in Münsterberg verheiratet war.
  2. Johann Christian, geb. 18.11.1720 in Strehlen, + 17.4.1797 in Strehlen. Er war Seifensieder und Stadtschöppe in Strehlen und heiratete am 20.1.1748 Maria Elisabeth Henatsch (geb. 19.10.1727, + 5.1.1792). Er erstand 1745 in Zwangsversteigerung das Haus Nr. 100 in Strehlen auf der [...] für 650 Thaler, das über 100 Jahre, bis 1845 in der Familie verblieb.

    Aus dieser Ehe stammten drei Kinder, die eine weit verzweigte Nachkommenschaft hervorbrachten. Aus diesem Zweig der Familie, der Strehlener Linie, gingen auch der Justizrat Alfred Plaeschke und sein Sohn, der Buchhändler Alfred, hervor.

Samuel Pläschke starb am 16.2.1725 mit 59 Jahren. In der Burghardtschen Chronik heißt es bei einem Bericht über den Brand des Kaufhauses in Strehlen:

"Einem Posamentier-Gesellen hat ein Ziegel auch denn Arm zerschöllet, und der Pfeffer-Küchler Samuel Pläschke ist bei auffgang des Feuers vor Schreck gestorben...."

Offenbar sind in der nächsten Generation die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Nachkommen der ersten und der zweiten Frau Samuels erloschen. In der sonst mit großer Genauigkeit geführten Chronik der Strehlener Linie ist zwar noch die Nachkommenschaft von Maria Magdalene aufgeführt, aber keine Nachkommen von Christian Ernst. Es war auch bis zu meinem Briefwechsel mit Alfred Plaeschke keine Erinnerung an eine solche Verwandtschaft mehr vorhanden. Vielleicht haben Streitigkeiten oder Erbauseinandersetzungen dazu geführt. Daß aber in unserer Linie die Erinnerung an gemeinsame Verwandtschaft bis ins vorige Jahrhundert vorhanden war, geht aus dem Brief meines Urgroßvaters an seinen Sohn Robert hervor, der während des Feldzugs 1866 die dortige Familie Plaeschke besucht hat (s. S. 17).

Ich führe im folgenden zunächst unsere Linie auf, also Christian Ernst Pläschke mit seiner Nachkommenschaft, danach in gekürzter Form die Strehlener Linie, also die Nachkommen des Johann Christian Pläschke (s. S. 70).

V. Generation.

Kinder aus der 1. Ehe von Samuel Pläschke d.J.

Von den beiden Töchtern Samuels sind keine Daten bekannt, sie waren aber älter als der Sohn Christian Ernst.

  1. Anna Justina war verheiratet mit dem Stadtphysicus Dr.med. Christian Riedel.
  2. Maria Magdalene heiratete 1712 den Steuereinnehmer George Hübner. Von ihren Nachkommen, die bis zuletzt Verbindung mit der Strehlener Linie hatten, seien auszugsweise aufgeführt:
    • Sohn: Carl Ferdinand Hübner, Steuereinnehmer in Strehlen, geb. 1725, verh. mit Johanna Eleonore Bauer.
    • Dessen Sohn: Carl Friedrich Hübner, Eisenkaufmann in Breslau, geb.1751, verh. mit Elisabeth Ertel.
    • Dessen Sohn: Friedrich August Hübner, Eisenkaufmann in Schweidnitz, verh. mit Mathide Hartmann.
    • Dessen Tochter: Adele Hübner, geb. 1847, verh. 1872 mit Pastor Ludwig Järisch.
    • Dessen Sohn: Manfred Järisch, geb 1873, Oberregierungs- und Medizinalrat in Breslau, verh. 1899 mit Margarete Prankel.
      Er ist 1936/37 verstorben.
    • Dessen Nachkommen: 6 Kinder, der Älteste: Forstassessor Friedrich Jaerisch im Reichsforstamt.
  3. Christian Ernst geb. 16.12.1695 Strehlen
    + 26.11.1778 Brieg.

    Christian Ernst, der älteste Sohn Samuels, studierte Jura, hat aber anscheinend die juristische Laufbahn nicht fortgesetzt, denn schon mit 26 Jahren war er Rektor der Schule in Strehlen. Bei seiner Trauung am 4.2.1722 wird er als der "wohledel Großachtbare und hochwohlgelährte Herr Christian Ernst Plaschke, Jure candidato und wohlverordneter Rector bey allhisiger Schule" tituliert. Er heiratete damals in Breslau Susanna Philippina Wentz, "die gebohrne Neubauerin, des weyland /Titl/ Herrn Michael Wentzels, gewesenen Kauff- und Handels Mannes in der Kays. und Königl. Stadt Breßlau nachgelassene Frau Wittib". Sie war 1691 geboren, also 4 Jahre älter als ihr Ehemann.

    Aus dieser Ehe gingen 4 Kinder hervor (s. VI. Generation). Am 8.4.1748 starb Susanna Pl. in Brieg im Alter von 57 Jahren.

    Im Jahre 1742 wurde Christian Ernst zum Bürgermeister von Strehlen ernannt. Diese Ernennung war die Auswirkung des 1. Schlesischen Krieges, durch den Schlesien, seit 1675 zur österreichischen Monarchie gehörig, an Preußen fiel. Friedrich II. ("der Große") hatte im Dezember 1740 die schlesische Grenze überschritten, 1741 Breslau und 1742 die Festung Glatz genommen. Noch vor dem Friedenschluß, der im Juli 1742 erfolgte, geriet Strehlen offenbar unter preußische Militärverwaltung. Die Burghardt‘sche Chronik berichtet:

    "1742 d. 28. Aprill ist Herr Christian Ernst Pläschke, Jur. C. und hiesiger Schulen Rector auff Befehl Einer hochlöblichen Königl. Preußischen Krieges u. Domainen Kammer in Breßlau, allhier auf dem Rath hause von dem KriegesRath und Commissarius Hr. von Eger, zum Bürgermeister der Stadt Strehlen installiret und dehnen sämtlichen Hhr. Magistrats Personen und Geschworenen durch eine wohlgesetzte Rede vorgestellet worden. Abends wurde dem Neuen Herren Bürgermeister von seinen gewesenen Hr, Schul-Collegen und Hr. StadtMusico eine schöne Vocal und Instrumental Music, Ihme zu Ehren vor seinem Logier gemacht."

    Wahrscheinlich spielte bei der Übernahme des Bürgermeisterpostens die Tatsache mit, daß der überwiegend evangelische Teil der Bevölkerung mehr zu Preußen als zu Österreich neigte. In einer Geschichte Schlesiens (Fedor Sommer, 1908) heißt es:

    "Die Stimmung der Schlesier war im ganzen günstig für Friedrich. Mindestens die Protestanten sahen es nicht ungern, wenn sie unter Friedrichs Regiment kamen. Die Habsburger ernteten nun, was ihre religiöse Unduldsamkeit seit der Reformation gesät hatte."

    Daß Christian Ernst als Bürgermeister auch Friedrich d. Gr. selbst begegnet ist, geht aus der "Geschichte der Stadt Strehlen" von Franz Xaver Görlich (Breslau 1853) hervor. Hier heißt es:

    "Im August 1746 kamen Se. Majestät selbst von Grottkau hierher, nahmen bei den hohen Brücken die Aufwartung des Magistrats an und die Parade ab und begaben sich sofort zur Besichtigung des Marmorbruchs nach Priborn."

    Diese Begegnung geschah also anläßlich einer der Rundreisen, die Friedrich nach Abschluß des Zweiten Schlesischen Krieges unternahm, der im Dezember 1745 beendet war.

    Nach fünfjähriger Amtszeit wurde Christian Ernst am 4.1.1747 als Bürgermeister nach Brieg berufen. Leider sind keine Erinnerungen oder Dokumente an diese Ereignisse vorhanden. Bei meinem Besuch 1937 in Brieg habe ich im Rathaus Akten mit der Unterschrift des Bürgermeisters Pläschke aus den Jahren 1754, 1758, 1760 und vom Dezember 1777 einsehen können. Daraus geht hervor, daß er bis zu seinem Tode dort im Amt war.

    Christian Ernst heiratete nach dem Tode seiner ersten Frau ein zweites Mal im Jahre 1753. In einem Auszug aus dem Aufgebotsbuch der Ev. Kirche in Brieg heißt es:

    "Der hochehrgeborene und Hochgelehrte Herr Christian Ernst Pläschke, Hochverdienter Bürgermeister dieser Königl: Preuß: Stadt Brieg, ein Wittwer; nimmt zur Ehe die hochedle, Hochehr- und Tugendbegabte Frau Juliane Sophia geb. Zieroldin, weil./ Titl: Herrn Johann Friedrich Brückners bei allhiesiger Fürstentums Caße Wohlbestellt gewesener Adjunct und nochmals wohlbestellten Kirchen-Vorstehers bei dieser Haupt und Pfarrkirche ad S. Nicolai hinterlassene Frau Wittib."

    Aus dieser Ehe sind keine Kinder mehr hervorgegangen.

    Christian Ernst starb am 26.11.1778 in Brieg im Alter von fast 83 Jahren.

VI. Generation.

Kinder von Christian Ernst Plaeschke

  1. Ernst Rudolf, geb. 18.10.1724. Er war Kaufmann in Hirschberg (nach einem Verzeichnis des Schlesischen Gebirgshandelsstandes, aus dem Archiv der Kaufmanns-Societät Hirschberg dort eingetreten 1755) und starb 1792. Weiteres ist nicht von ihm bekannt.
  2. Caroline Christiane
  3. Rudolf Christian

    Von beiden ist nichts näheres bekannt, vielleicht sind sie früh gestorben.

  4. Carl Rudolf geb. 4.10.1729 Strehlen
    + 21.5.1805 Brieg.

    Hier tritt zum ersten Mal der Vorname Carl auf, der seitdem in ununterbrochener Reihenfolge auf die erstgeborenen Söhne übertragen wurde. Bei seiner Taufe sind als Paten angegeben:
    1. sein Onkel Christian Riedel, Med. doct. u. Stadtphysicus allhier (s. V. Generation, Anna Justina PI.)
    2. sein Onkel George Hübner, Land-Steuereinnehmer allhier (s. V. Generation, Maria Magdalene Pl.)
    3. Frau Susanna Cordula Sachsin
    4. Frau Sabina Eleonora Hüttelin geb. Burghardtin (wahrscheinlich mit der Familie Burghardt aus der Strehlener Linie, Nachkommen des Chronikschreibers, verwandt)
    5. Frau Johanna Catharina Zieroldin (aus der Familie der zweiten Frau von Christian Ernst, die eine geborene Zierold war).
    Carl Rudolf studierte wie sein Vater Jura. Er war an der Universität Frankfurt a. d. Oder immatrikuliert, wie aus den 1888 gedruckten Universitätsmatrikeln hervorgeht:

    1751. 1. Novembris.
    Carolus Rudolphus Plaeschke, Strehla-Silesius.

    Diese Universität bestand von 1506 bis 1811 und wurde dann nach Breslau verlegt.

    Carl Rudolf wurde in Brieg "des Kgl, Landgerichts und Stadtgerichts Assessor und des Waisenamts Adjunct". Er heiratete am 2.11.1768 in Brieg Johanna Theodora Gottfürchte Hilscher (der Name wird später in Fürchtegott umgewandelt). Sie war geboren am 3.9.1743 in Ohlau als Tochter des Königlichen Postmeisters Johann Jeremias Hilscher, geb. 1699, + 16.7.1761 in Ohlau.

    Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor (s. VII. Generation).

    1777 war Carl Rudolf Syndicus und Senator in Brieg. Er starb dort am 21.5.1805 im Alter von 76 Jahren.

VII. Generation.

Kinder von Carl Rudolf Pläschke.

  1. Johanna Juliane Eleonore, geb. 28.7.1770. Brieg. Weiteres ist nicht bekannt.
  2. Beata Sophia Wilhelmine, geb. 17.12.1772 Brieg
    + 1.3.1777 Brieg. (an Frieseln)
  3. Carl Christian Friedrich geb. 4.3.1778 Brieg.
    + 30.1.1815 Ziegenhals.

    Carl Christian Friedrich, der einzige Sohn Carl Rudolfs, studierte, wie sein Vater, Jura. Er wurde in Brieg Referendarius des Oberlandesgerichts und ging dann nach Ziegenhals, Krs. Kreuzburg in Oberschlesien, wo er als interimistischer Actuarius des Stadtgerichts tätig war.

    Seine Ehefrau (über das Heiratsdatum liegen keine Aufzeichnungen vor) war Anna Dorothea Matz, geb.3.10.1774 in Brieg, + 7.11. 1836 in Brieg am Schlagfluß. Sie war die Tochter des Obsthändlers Caspar Matz, geb. 9.9.1723 in Michel... (Michelau?), + 4.1.1786 in Brieg "an Schwulst- oder Brustwassersucht", und seiner Frau Anna Dorothea Wegeßerin, geb.1739, + 20.9.1794 in Brieg "am Gallenfieber". Nach dem Tode ihres Mannes heiratete diese den "bürgerlichen Victualienhändler Johann Christian Märgner. - Anna Dorothea Pläschke, geb. Matz ist die erste aus unserer Ahnenreihe, von der wir direkte Hinterlasschaft haben. Sie schrieb an ihren Sohn in den Jahren 1834/35, also in den letzten beiden Jahren vor ihrem Tode, vier Briefe, die dieser wohl als Erinnerung an seine Mutter aufbewahrt hat und die erhalten geblieben sind. (s. Anhang)

Ob dieser Sohn, Carl Leopold, der einzige Sohn war, ist unklar.

In unserer Familie ist nur dieser eine Sohn bekannt. In seiner Heiratsurkunde wird er aber als zweiter Sohn von Carl Friedrich angegeben. Vielleicht ist der ältere Sohn jung gestorben. Nur zwei Wochen nach der Geburt seines Sohnes, am 30.1.1815, starb sein Vater Carl Friedrich im Alter von 37 Jahren. Als Todesursache wird "Brustwassersucht" angegeben.

VIII. Generation.

Sohn von Carl Friedrich Pläschke:

Carl Leopold Plaeschke, geb. 14.1.1815 Ziegenhals
+ 29.12.1891 Juliusburg.

Mein Urgroßvater, sowohl väterlicher- als mütterlicherseits, erhielt bei seiner Taufe die Namen Samuel, Leopold, Carl, Isidor. Das Taufzeugnis ist, ebenso wie die Todesurkunde seines Vaters, vom katholischen Pfarramt Ziegenhals ausgestellt. Offenbar bestand dort keine evangelische Kirche und das katholische Pfarramt führte die Register für die evangelischen Einwohner mit.

In einer Abschrift der Eintragung in das Taufbuch, die wahrscheinlich von der Hand meines Großvaters stammt (s. A. 2), sind auch die Taufpaten aufgefürt: Samuel Killmann, Amtmann in Langendorf, und Johanna Caroline, Ehewirtin des Thorschreibers Carl Siegmund Schmidt, und Samuel Friedrich Hilscher, Gutsbesitzer bei Ohlau und Demoiselle Juliane Felkel, Tochter des Herrn Justizraths Felkel zu Fürstenstein.

Diese Paten sind auch in dem Brief von Carl Leopold an seinen Sohn Robert erwähnt (s. S. 18). Der Justizrat Felkel (er wird dort Falkel geschrieben) zu Fürstenstein hatte eine Schwester von Carl Friedrich zur Frau, war also sein Onkel. Diese Schwester ist wahrscheinlich die auf S. 38 erwähnte Johanna Juliane Eleonore Pläschke. Da sie 8 Jahre älter war als Carl Friedrich, könnte ihre Tochter Juliane bei der Taufe von Carl Leopold schon über 20 Jahre alt gewesen sein, also als Patin durchaus in Frage kommen.

Der Gutsbesitzer Samuel Friedrich Hilscher (auch Hielscher geschrieben) war der Onkel von Carl Leopold, genannt "der reiche Hielscher". Carl Friedrichs Vater, Carl Rudolf, war mit einer geborenen Hilscher, Tochter eines Postmeisters aus Ohlau, verheiratet. Aus dieser Familie stammte der Gutsbesitzer Hielscher.

Von den Taufnamen blieb der Rufname Carl, in amtlichen Schriftstücken auch Carl Leopold. Der Vorname Carl wird also seit seinem Großvater Carl Rudolf über 6 Generationen vom Vater auf den ältesten Sohn übertragen. - Der Nachname, der bisher zwischen Pläschke und Pleschke schwankte, wird seit ihm einheitlich mit ae geschrieben.

Mein Urgroßvater wuchs bei seiner Mutter auf, da der Vater 16 Tage nach der Geburt seines Sohnes gestorben war. Über die Jugendzeit ist nichts bekannt, er muß jedoch 1834/35 seinen Militärdienst abgeleistet haben, wie aus den schon erwähnten Briefen hervorgeht, die an den "Schützen Herrn Pläschke" in Breslau gerichtet sind.

Der erste der vier erhaltenen Briefe trägt jedoch die Anschrift "An den Ökonom Herrn Pläschke, bey dem Herrn Oberamtmann Geisler wohlgeboren in Dzie... (unleserlich) bei Militsch. (Militsch war eine Kreisstadt in Niederschlesien, heute Milicz). Der Brief ist datiert vom 5.April l834, mein Urgroßvater war damals also 19 Jahre alt. War er damals schon Ökonom? Es ist anzunehmen, daß er bei dem Oberamtmann Geisler die Landwirtschaft lernte, denn er war später Gutsbesitzer.

Dieses Gut hat ihm seine Mutter entweder noch zu ihren Lebzeiten gekauft, oder er hat es nach ihrem Tode von seinem Erbe erworben. Jedenfalls hat seine Großmutter, die erst mit dem Obsthändler Caspar Matz, dann mit dem Obsthändler Märgner verheiratet war, einiges Kapital hinterlassen, das ihm zugute kam.

Am 7. November 1836 starb seine Mutter in Brieg. Ein Freund Helmholtz teilt ihm dies in einem Brief mit und schreibt: "Zwey Wagen werden hinter dem Leichenwagen mit Begleitung guter Freunde die letzte Begleitung geben... soviel wie ich weiß, sollten Sie bald nach Brieg kommen..." Er war also bei dem Begräbnis nicht in Brieg.

Das Gut, das mein Urgroßvater bewirtschaftete, war ein sogenanntes Freigut, d.h. ein Landgut, das von öffentlichen oder grundherrlichen Diensten und Abgaben befreit war. Es lag in Polanowitz bei

[Hier fehlt Text]

herzogl. Försters älteste Jungfer Tochter". Die Trauung fand in der Schloß- und Stadtpfarrkirche zu Bernstadt, Krs. Öls statt. (Bernstadt, heute Bierutow Krs-Olesnica, hatte ein Schloß aus dem 17. Jahrhundert, als Öls ein Fürstentum der Piasten war).

Die Braut, geboren am 11. November 1819 in Neu-Ellguth, Krs Öls, war 18 Jahre alt. Sie war die Tochter des Försters Carl Thomas Hentschel, geb. 1788, und seiner Frau Karoline Dorothea Wengler, geb.1802 in Netsche Krs. Öls, Tochter des Müllermeisters Wengler aus Netsche.

Der Förster Hentschel hatte sein Revier in Taschenberg. Die Herrschaft Öls gehörte damals als Exclave zum Herzogtum Braunschweig, sodaß er den Titel eines herzoglich Braunschweigischen Försters führte. ( 1884 fiel Öls als Lehen an den preußischen Kronprinzen).

Von der Hochzeit ist noch ein gedrucktes Gedicht vorhanden, mit 11 Versen, dem Brautpaar gewidmet von dem Bruder der Braut, dem Förster Gustav Hentschel (s. A 4). Christiane Hentschel hatte außer dem Bruder Gustav noch drei Schwestern, von denen die jüngste einen Pastor Günther in Breslau heiratete.

Von den acht Kindern des Ehepaares wurde der älteste Sohn, Carl Ferdinand, am 15.3.1839 geboren (s. IX. Generation). Während in dieser Geburtsurkunde Carl Leopold noch als Freigutsbesitzer bezeichnet wird, heißt es bei der Geburt des Sohnes Gustav Adolph am 26.9.1849 "weiland Gutsbesitzer”. Innerhalb dieser 10 Jahre muß also mein Urgroßvater sein Gut verloren haben.

Wie es zu diesem Verlust kam, ist leider nicht überliefert. Einer Beamten- und Handwerkerfamilie entstammend, sehr jung und ohne jede bäuerliche Erfahrung wird er wohl nicht die Fähigkeiten gehabt haben, das Gut wirtschaftlich zu führen. Dazu kamen aber sicher Schwierigkeiten mit der polnischen Bevölkerung, die damals dort wohl den überwiegenden Teil der Landarbeiterschaft stellte. Im Jahre 1830/31 hatte in Polen eine nationalistische Volkserhebung stattgefunden, die sich allerdings gegen die russische Herrschaft richtete. Sicher sind hierbei und auch später auch Übergriffe an der deutschen Grenze vorgekommen. Jedenfalls war aus dem Wenigen, was ich als Kind über diese Dinge erfahren habe, zu entnehmen, daß die Polen zu dem Verlust mit beigetragen haben. [Handschriftliche Ergänzung: Auch 1846 und 1848 Aufstände in der Provinz Posen.]

Erst aus dem Jahr 1855 läßt ein Brief näheres erkennen, den der Pfarrer in Pitschen an meinen Urgroßvater schreibt (s. B. 6).

Wie aus der Anschrift hervorgeht, war er damals Dampfmühlenverwalter in Tarnowitz (s. S. 10). Der Pfarrer schreibt u.a.:

"Vielleicht interessiert es Sie, einiges von Ihrem schönen, ehemaligen Freigut zu hörenn nämlich, daß es von Polit (oder gar von Ihnen) auf Beier, von dem auf Thurner überging, der es nun an einen Kochelsdorfer Berka nebst dem Mrozekschen für 12 000 RTl. verkauft hat und schon 14 000 gehabt haben soll."

Die nächste Nachricht über Carl Leopold ist ein Schreiben aus Beuthen in Oberschlesien, vom 3.7.1858, in dem er sich um die Erlangung definitiver Anstellung im Staatsdienst als Eisenbahnzugführer bewirbt (s. A. 6). Er muß also zwischen 1855 und 1858 seinen Beruf wieder gewechselt haben und bei der preußischen Eisenbahn als Zugführer eingetreten sein.

Etwas später, am 15.5.1859, schreibt sein Schwiegervater, der Förster Hentschel, in einem Brief an seine Tochter Christel, Carl Leopolds Frau: "... wir wußten nicht, ob Du noch auf Deinem alten ... warst, weil der Pläschke in seinem letzten Brief schrieb, er würde sich ins Ausland melden... Der Pläschke mag mir wohl zürnen, daß ich demselben kein Geld geschickt habe, aber es war beim besten Willen nicht möglich... (s. B. 7)."

Das besagt genug über seine damalige wirtschaftliche Lage. Die Anstellung als Eisenbahnzugführer brachte aber wohl dann doch einen ausreichenden Lebensunterhalt und Pensionsanspruch.

Von dem Förster Hentschel ist noch ein letzter Brief an seine Tochter erhalten, vom 3.5.1866. Wie aus der Anschrift hervorgeht, wohnte mein Urgroßvater damals in Breslau Auf der Huben Nr. 29. Das war die Gegend (oder sogar das Haus?) in dem die Eltern seiner beiden Schwiegertöchter wohnten, Johann Gottlieb Stache und seine Frau Susanna, deren Töchter Marie die Frau seines Sohnes Gustav, und Emilie die Frau seines Sohnes Robert wurden. Vielleicht ist hier der Anfang der Verbindung mit der Familie Stache zu sehen.

1866 war auch das Jahr des Krieges von Preußen gegen Österreich, an dem auch die Söhne Carl und Robert teilgenommen haben (Gustav diente bei der Marine). Wie man damals dachte, geht aus dem gleichen Brief hervor:... "Und nun kommt noch Kummer und Sorge zu diesen kränklichen Umständen sowohl im Häuslichen als des bevorstehenden Krieges halber und möchte man verzweifeln. Du wirst wohl auch großen Kummer um Deine Söhne haben, Du hast sie auch so kummervoll erziehen müssen und kannst Du sie zum todtschießen hinschicken, doch wir wollen nicht verzweifeln, wir sind ja Christen..."

Im gleichen Jahre noch, am 18.11.1866, starb Thomas Hentschel in Bartkerey, 78 Jahre alt. Seine Frau überlebte ihn um 15 Jahre, sie starb mit 79 Jahren am 13.6.1881.

Bei der Hochzeit seines ältesten Sohnes Carl, 1873.war mein Urgroßvater noch als Zugführer bei der Oberschlesischen Eisenbahn tätig. Als 1881 sein Sohn Gustav heiratet, ist er 65 Jahre alt und bereits pensioniert. Er wohnt in Bartkerey, offenbar im Hause seiner Schwiegereltern. - Als 1886 sein Sohn Gustav gestorben war, schreibt er seiner Schwiegertochter Marie einen Beileidsbrief, der als einziges persönliches Schreiben aus seiner Hand erhalten geblieben ist (s. B. 9).

Im Jahre 1888 feierten meine Urgroßeltern goldene Hochzeit. Sie wohnten damals in Juliusburg, einer kleinen Stadt in der Nähe von Öls. Zu dem Fest erhielten sie die silberne Ehejubiläumsmedaille mit einer Verleihungsurkunde des damals regierenden Kaisers Wilhelm I. (s. A. 7). Meine Eltern erinnerten sich noch an die Feier, an der die ganze Familie teilnahm. Mein Vater war damals 13, meine Mutter 7 Jahre alt. Sie ärgerte sich, daß sie noch mit am Kindertisch sitzen mußte, während mein Vater schon an der großen Tafel sitzen durfte.

Es war wohl das erste Mal, daß sich die beiden sahen. Sieben Jahre später, bei der zweiten Ehe meines Großvaters Carl, wurden sie Stiefgeschwister, 22 Jahre später ein Ehepaar.

Drei Jahre nach dieser Feier starben beide Ehegatten kurz hintereinander, am 17.4.1891 meine Urgroßmutter Christiane mit 71 Jahren, am 29.12.1891 mein Urgroßvater mit 76 Jahren in Juliusburg.

IX. Generation.

Kinder von Carl Leopold Plaeschke.

  1. Carl Ferdinand Heinrich Plaeschke, mein Großvater väterlicherseits, wurde am 15.3.1839 in Polanowitz bei Pitschen, Kreis Kreuzburg, Oberschlesien, geboren. Er wurde Berufssoldat und nahm an den Kriegen von 1866 (Königgrätz) und 1870/71 (Metz) teil. Nach seiner aktiven Dienstzeit wurde er Beamter im Festungsbaudienst.

    Er war 1873 Wallmeister bei der Fortification der Festung Wittenberg, danach in Berlin bei der Festung Spandau. Außer seinen Kriegsauszeichnungen und dem preußischen Roten Adlerorden IV. Klasse, der ihm wohl beim Abschluß seiner Laufbahn verliehen wurde, sind leider keine Andenken oder Schriftstücke seiner Tätigkeit vorhanden.

    Am 17.3.1873 heiratete er in Berlin Johanna Müller, geb. 15.1.1845 in Berlin. Sie war die Tochter des Gürtlermeisters Johann Christian Müller, geb.20.2.1815 in Ansbach, + 4.2.1871 in Berlin, und seiner Ehefrau Ottilie geb. Leypoldt, geb.5.2.1815 in Ansbach. Die Familien Müller und Leypoldt stammten aus dem fränkischen Raum (Ansbach, Schweinfurt, Uffenheim), wo sich ihre Vorfahren teils als Weinbergsleute, teils als Handwerker - Uhrmacher, Bäckermeister - bis zum Beginn des 18.Jahrhunderts nachweisen lassen. Ein Bruder meiner Großmutter Johanna Müller, Adolf Müller, war der Großvater der vier Geschwister Müller (Heinz, Gerd, Günter und Ruthild), mit denen wir noch in freundschaftlicher Verbindung stehen.

    Mein Großvater wohnte 1874 in Spandau, 1875 in Charlottenburg, beides damals noch selbstständige Städte, und wurde etwa um 1887 nach Straßburg im Elsaß versetzt. Das Elsaß, seit 1681 französisch, aber zum größten Teil deutschsprachig, war 1871 zum Deutschen Reich gekommen und hatte als "Reichsland'' eine Sonderstellung, da es direkt einem kaiserlichen Statthalter unterstellt war. Die Beamtenschaft war daher überwiegend preußisch. Bis 1919, also über 30 Jahre, lebte unsere Familie im Elsaß; meine Eltern kamen als Kinder dorthin, sodaß wir uns, obgleich "Reichsdeutsche", dort schon heimisch fühlten.

    Am 17.2.1890 starb in Straßburg die Schwiegermutter meines Großvaters, Ottilie Müller, die mit ihm und seiner Familie ms Elsäß gezogen war. Meine Großmutter Johanna Müller starb ebenfalls dort am 10.7.1893. Aus dieser Ehe meines Großvaters stammten sieben Kinder, von denen jedoch drei früh verstarben. Es überlebten mein Vater Karl und seine drei Schwestern Ottilie, Johanna und Frieda.

    Nach dem Tode seiner Frau heiratete mein Großvater am 25.2.1895 die Witwe seines Bruders Gustav, die ihre beiden Kinder, meine Mutter Elisabet und ihren Bruder Gustav - damals 13 und 11 Jahre alt - mit in die Ehe brachte. Als sie 1914 starb, war ich 2 1/2 Jahre alt, kann mich also kaum an sie erinnern. Dagegen erinnere ich mich gut an meinen Großvater. Er war 1888 Festungsinspektionssekretär, später Festungsoberbauwart und Rechnungsrat und lebte nach seiner Pensionierung mit seinen drei Töchtern in Ruprechtsau, einem Vorort von Straßburg, nicht weit von meinem Elternhaus, in der Nähe des jetzigen Europarat-Gebäudes, und ich erinnere mich gut an gemeinsame Spaziergänge im Park der dortigen Orangerie.

    Das Ende des ersten Weltkriegs brachte die Besetzung Straßburgs durch die französische Armee. Mein Großvater mußte, wie alle Deutschen, die nach 1871 ins Elsaß gekommen waren, das Land verlassen. Dadurch, daß mein Vater in seiner Dienststelle für die Übergabe der Verwaltung an die französischen Behörden gebraucht wurde, konnte er dafür sorgen, daß auch mein Großvater (79-jährig) mit seinen Kindern nicht sofort ausgewiesen wurde. Er konnte ebenso wie meine Eltern noch vier Monate bleiben und zog dann Anfang März mit seinen drei Töchtern nach Breslau. Dort lebten noch drei Töchter seines Bruders Robert, die ihn zunächst aufnahmen.

    Mein Großvater hat die körperlichen und psychischen Strapazen des Kriegsendes nicht lange überlebt. Nach einem Sturz auf der Treppe beim Umzug wurde er bettlägerig und starb am 20.4.1919 in Breslau.
  2. Ottilie Plaeschke wurde mit ihrer Zwillingsschwester Selma am 10.2.1841 geboren. Sie lebte später in Breslau und heiratete den Lokomotivführer Robert Danigel. Das Ehepaar hatte vier Kinder, mit denen meine Eltern noch Verbindung hatten, die jetzt aber erloschen ist.
  3. Selma Plaeschke,. Zwillingsschwester vom Ottilie, geboren am 10,2.1841, wohnte in Breslau und heiratete den Güterverwalter Erdmann. Auch sie hatten vier Kinder, mit denen die Verbindung verloren gegangen ist.
  4. Otto Plaeschke, geb. am 25.2.1842, lebte in Breslau und war Lokomotivführer. Seine Ehe mit Olga Becker, geb. am 15.2.1850, blieb kinderlos. Er war Trauzeuge bei der zweiten Heirat seines Bruders Carl in Breslau 1895. Damals war er, 52 Jahre alt, bereits pensioniert. Er starb am 17.8.1913 in Breslau, seine Frau war schon 1911 gestorben.
  5. Robert Plaeschke wurde am 11.6.1845 in Polanowitz geboren. Er war Trauzeuge bei der Heirat seines Bruders Gustav 1880, und mit seinem Bruder Otto zusammen Trauzeuge bei der zweiten Heirat seines Bruders Carl. Damals war er Eisenbahn-Güterexpedient in Breslau, später Rechnungsrat. Er heiratete am 3.11.1873 Emilie Stache, die Schwester von Marie Stache, der Frau seines Bruders Gustav. Sie war geboren am 8.7.1852 und starb in Breslau am 24.4.1914. (Über ihre Eltern s. bei Gustav Pl.). Robert Plaeschke starb in Breslau am 27.4.1915. Er hinterließ neun Kinder, mit denen unsere Familie immer in guter Verbindung stand.
  6. Ida Plaeschke, geb. am 17.2.1847 ist mit 12 Jahren 1859 gestorben.
  7. Gustav Adolf Plaeschke, mein Großvater mütterlicherseits, wurde am 26.9.1849 in Bartkerey, Krs. Öls in Schlesien geboren und am 29.10.1849 in der ev. Kirche zu Maliers, Krs.Öls getauft. Er trat ca. 1864 als Schiffsjunge in die damalige preußische Marine ein und wurde später Marinefeldwebel.

    1878 gehörte er in der Kaiserlichen Marine zur Besatzung der 1868-1878 gebauten Panzerfregatte "Großer Kurfürst”. Dieses Schiff von ca. 4000-5000 BRT hatte eine Dampfmaschine von 5400 PS und außerdem noch die damals übliche Segeltakelung mit drei Masten. Es war bestückt mit 4 Geschützen zu 26 cm und zwei zu 17 cm. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 12 Knoten (sm/h).

    Das im folgenden erwähnte Panzerschiff "König Wilhelm" war 1865-69 erbaut und mit 5085 BRT, 8000 PS, 14 Kn. und mit 22 Geschützen zu 24 cm damals das größte Kriegsschiff der Welt.

    Kurz nach der Indienststellung am 6.5.1878 fuhr das Geschwader mit den Panzerschiffen "König Wilhelm”, "Großer Kurfürst" und "Preußen" zu einer Übungsfahrt aus, die nach Gibraltar gehen sollte. Am 31.5.1878 durchfuhren die Schiffe den Kanal von Dover, an der Spitze "König Wilhelm" mit dem Geschwaderchef, Konteradmiral Batsch, dahinter die "Preußen" und seitlich an Steuerbord mit einem Abstand von nur 100 m der "Große Kurfürst" mit dem Kommandanten, Kapitän z. S. Graf v. Monts. Etwa auf der Höhe von Folkstone mußte "König Wilhelm" einem Segler ausweichen. Als das Schiff wieder auf seinen alten Kurs zurückgehen wollte, drehte der Bug nach der Seite des "Großen Kurfürst" hin. Der Mann am Ruder hatte das Kommando des Wachoffiziers mißverstanden. Bis dahin war es, auch bei der englischen Marine, Brauch gewesen, das Kommando so zu geben, wie die Ruderpinne werden sollte, d.h. auf das Kommando "Steuerbord" wurde die Ruderpinne nach Steuerbord gelegt und das Schiff drehte dabei nach Backbord. Erst seit diesem Unfall wurde überall das Ruderkommando so befohlen, wie der Bug des Schiffes drehen sollte.

    Alle von beiden Schiffen versuchten Gegenmanöver konnten den drohenden Zusammenstoß nicht mehr verhindern. Der "Große Kurfürst" erhielt vom "König Wilhelm" mit dessen Rammsporn ein klaffendes Leck an er Backbordseite unter der Wasserlinie. Das Schiff kenterte nach 15 Minuten, und von der 487 Köpfe starken Besatzung fanden 269 den Tod. Der Kapitän wurde besinnungslos aus dem Wasser geborgen.

    Mein Großvater überlebte mit 217 Mann den Untergang des Schiffes. Er wurde von einem englischen Kutter aufgenommen und gerettet. Er ist danach aus der Marine ausgeschieden und kam zum Justiz- Vollzugsdienst an das "Marstall-Gefängnis" in Lübeck als Gefängnisoberaufseher.

    Am 25.9.1880 heiratete er in Breslau Marie Stache, die jüngere Schwester von Emilie Stache, der Frau seines Bruders Robert. Sie war geboren am 6.2.1:855 in Huben bei Breslau, als Tochter des Gottlieb Stache, Erbsaß zu Huben, später Fabrikbesitzer in Herdain b. Breslau (geb.28.6.1825 in Huben, + 9.12.1868 in Breslau) und seiner Frau Susanna geb. Seidel (geb.19.7.1828 in Zimpel b. Breslau, + 13.2.1885 in Breslau). Gottlieb Stache war der Vetter seiner Frau, denn sein Vater, Johann Adam Stache, und die Mutter seiner Frau, Rosina Seidel geb. Stache, waren Geschwister.

    Die Familien Stache und Seidel waren Bauern ("Erbsassen" in den Dörfern der Umgebung von Breslau, Huben, Herdain und Zimpel, die später als Vororte von Breslau eingemeindet wurden. Ihre Vorfahren sind bis ins 18.Jahrhundert nachgewiesen. Das Stache‘sche Elternhaus in Breslau-Huben bestand bis in die 20er Jahre dieses Jahrhunderts und wurde dann verkauft.

    Marie Stache, meine Großmutter, lebte mit ihrem Mann weiter in Lübeck bis zum Jahr 1886. Sie hatten zwei Kinder: Elisabet Marie Plaeschke, meine Mutter, geboren 4.11.1881 und Gustav Karl Plaeschke geboren 30.12.1883.

    Im Mai 1886 hat mein Großvater, als er im Garten auf Dohlen schoss, dabei versehentlich ein Kind aus der Nachbarschaft getroffen. Er glaubte, es tödlich getroffen zu haben - was aber nicht der Fall war - und erschoss sich darauf mit seiner Dienstpistole. Er starb am 16.5.1886.

    Während sein Bruder Carl wohl mehr von ruhigem, harten und nüchternem Charakter gewesen ist, muß mein Großvater Gustav, von dem ich sonst nichts persönliches erfahren habe, eine mehr künstlerisch empfindsame Natur gehabt haben. Ich hatte von meiner Mutter als einziges Andenken an ihn eine Erstausgabe der Gedichte Freiligraths geerbt, in der er selbst Notizen gemacht hatte. Das Buch ist leider im Krieg verloren gegangen. Außerdem hatte er auf einer seiner Seereisen eine Ausgabe der Odyssee bei sich, die er einem Kameraden geliehen hatte, so daß das Buch den Schiffbruch des "Großen Kurfürsten" überlebte. Leider ist es nicht erhalten geblieben, aber das Vorsatzblatt mit seiner handschriftlichen Eintragung im "homerischen Stil" über diesen Vorgang ist vorhanden und der einzige schriftliche Nachlaß meines Großvaters.

    Der Tod ihres Mannes war für meine Großmutter nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich ein großer Verlust. Sie erhielt eine auch für die damalige Zeit mehr als kümmerliche Rente (ca. 65.- Mark vierteljährlich) und geriet in große Notlage. Sie zog mit ihren beiden Kindern in das Stache'sche Haus in Breslau-Huben und blieb dort bis 1895. Am 25.2.1895 heiratete sie ihren Schwager Carl, der seit 1893 Witwer war, und kam mit ihren Kindern nach Straßburg. Dort ist sie am 1.1.1914 gestorben. Ich erinnere mich, mit meiner Mutter oft an ihrem Grab auf dem Friedhof in Straßburg-Ruprechtsau gewesen zu sein.
  8. Oskar Plaeschke, geboren am 5.6.1852, ging als junger Mann nach Lodz, das damals zu Rußland gehörte (Polen als selbstständiges Land gab es noch nicht). Er ließ sich dort als Stukkateur und Bildhauer nieder und hatte einen eigenen Betrieb, den seine Söhne später übernahmen. Er stand wohl noch länger mit seinen Brüdern in Verbindung, ist aber mit seiner Familie auch nach dem 1. Weltkrieg,als Lodz polnisch wurde, dort geblieben. Im Hause meiner Großeltern befand sich ein Samowar mit russischer Inschrift, den er meinem Großvater von einer seiner Reisen geschickt hatte, und den meine Mutter in Potsdam 1945 an die russischen Besatzer verkaufte.

    Oskar war verheiratet mit Natalie Dreßler, geboren 29.1.1864 und hatte fünf Kinder. Die Verbindung zu seinen Kindern ist später verloren gegangen. Er ist etwa um 1930 gestorben, seine Frau soll bei den Unruhen nach dem 1. Weltkrieg durch die Polen umgekommen sein.

X. Generation.

  1. Kinder von Carl Ferdinand Plaeschke.
    1. Ottilie Plaeschke, meine Patentante, wurde am 13.1.1874 in Spandau, das damals noch eine selbstständige Stadt war, geboren. Sie wuchs mit ihren Geschwistern bei ihren Eltern in Straßburg auf und ging nach einer Ausbildung als Lehrerin an eine Privatschule. Zusammen mit meinem Großvater, ihren zwei Schwestern und unserer Familie machte sie im März 1919 die Übersiedlung von Straßburg ins Reichsgebiet mit. Außer meinem Vater, der direkt nach Berlin reiste, fuhr die ganze Familie nach Breslau, wo noch die anderen 5 Geschwister meines Großvaters lebten. Ottilie zog mit ihren beiden Schwestern vorübergehend zu Tante Lenchen (s. Helene PI., 4.1.), die damals noch unverheiratet war. Die 3 Schwestern bezogen nach dem Tod meines Großvaters und nach Beruhigung der Kriegsverhältnisse eine Wohnung in Breslau, wo Ottilie weiter als Lehrerin an einer privaten Schule tätig war. Wir besuchten sie dort zum ersten Mal 1924 und später noch öfter, sie kam auch regelmäßig zu uns nach Potsdam zu Besuch.

      Im Jahre 1932 bauten die drei Geschwister gemeinsam ein Haus in Obernigk, Krs. Trebnitz, etwa 25 km nördlich von Breslau. Sie waren alle drei unverheiratet und hatten die 50 überschritten, verstanden sich auch gut miteinander, sodaß eine gemeinsame Haushaltsführung für sie selbstverständlich war. Obernigk war ein Luftkurort mit schöner Umgebung am Rande des Katzengebirges, mit Erholungsheimen und Sanatorien. Es hatte 4400 Einwohner. - Das Haus war als Einfamilienhaus mit schönem Garten sehr gepflegt eingerichtet. Meine Eltern und ich besuchten es seit 1933 regelmäßig bis 1936 und verlebten dort schöne Ferientage.

      Das Kriegsende 1945 brachte die Kämpfe um Breslau, die Besetzung Schlesiens durch die Polen und die gewaltsame Vertreibung aller Deutschen. Wahrend Breslau sich als Festung noch bis zur Kapitulation verteidigte, zogen russische Truppen am 25. Januar 1945 unerwartet und ohne daß ein Schuß gefallen war, in Obernigk ein. Meine Tanten mußten, wie alle anderen, ihren Besitz aufgeben. - Obernigk heißt jetzt Oborniki Slaskie.

      Über die schlimmste Zeit bis zum Juni 1945 existieren von der Hand meiner Tanten keine Aufzeichnungen, auch keine brieflichen Berichte. Meine Eltern und ich haben die drei Geschwister nicht mehr wiedergesehen, und die vorhandenen Briefe aus dem Herbst 1945 beziehen sich nur auf das Tagesgeschehen. So bleiben die Geschehnisse bis zum Juni 1945 im Dunkeln, und es ist vielleicht auch besser so.

      Über die Flucht aus Schlesien in die damalige russische Besatzungszone liegen kurze Tagebuchnotizen meiner Tante Hanna vor. Danach begann der Marsch, wahrscheinlich in einer größeren Gruppe, am 26. Juni 1945. - Ottilie war damals 71 und Hanna 68 Jahre alt. Frieda, mit 64 Jahren die Jüngste, war schon vorher erkrankt und nicht marschfähig. Sie war schon im Januar mit einem Krankentransport von Obernigk in Richtung Sachsen abgereist. Ottilie und Hanna wollten mit dem nächsten Zug folgen, es fuhr aber keine Bahn mehr.

      Um 15 Uhr war Antreten vor der polnischen Kommandantur. Mit Ottilie und Hanna marschierte noch eine Freundin, Käte Gabriel, die bis Spiegelhagen mitzog und von dort zu ihren Verwandten nach Eisenach weiterreiste. Die geringe Habe wurde auf zwei kleinen Handwagen gezogen, die nachher auch noch geplündert wurden. In Etappen von teilweise 20 km täglich - einmal sogar 27 km - ging es über Wohlau - Sagan - Sorau - nach Forst a. d. Neiße, wo die Oder-Neiße-Linie, die Grenze des polnisch besetzten Gebietes, überschritten wurde. Übernachtet wurde teils in Scheunen, teils in verlassenen oder zerstörten Häusern. Nach einer Ruhepause von 2 Tagen ging es am 10.7. weiter nach Cottbus, wo sie vergeblich auf einen Eisenbahntransport nach Berlin warteten. Erst nach einem Weitermarsch bis Lübbenau gelang es am 16. Juli, mit der Bahn im Gepäckwagen nach Berlin zu fahren. Insgesamt wurden in den 3 Wochen über 230 km zu Fuß zurückgelegt.

      Von der Flüchtlingsleitstelle in Berlin im Fichtebunker ging es am 19.7. mit der Bahn weiter nach Perleberg. Am 23.7. kamen sie dann endlich nach Spiegelhagen, einem kleinen Dorf, 3 km von Perleberg entfernt, wo sie mit 28 Personen zunächst im Saal des Gasthofs einquartiert wurden. Die Flüchtlinge wurden dann auf die einzelnen Familien in dem unzerstörten Dorf verteilt, es waren 140 Einwohner und 190 Flüchtlinge und Evakuierte.

      Damit endete die Übersiedlung. Es gelang den Beiden nicht mehr, aus dem Flüchtlingsmilieu herauszukommen. Sie lebten zusammen in ärmlichsten Verhältnissen bei einer Bauernfamilie. Wir standen mit ihnen in Briefwechsel und schickten ihnen regelmäßig Päckchen. Pensionen an Beamte wurden in der DDR nicht gezahlt, die Rente betrug 1946 ca. 90.- monatlich.

      Meine Tante Ottilie war ein liebenswürdiger, feiner Mensch, an dem wir alle sehr hingen und die mich von Kind an liebevoll betreut hat. Klein und etwas zur Fülle neigend (was sich in den Hungerjahren auf 96 Pfund reduzierte!) war sie den Strapazen der Flucht kaum gewachsen, und ein Fuß- und Beinleiden, das sie sich auf dem Marsch zugezogen hatte, hielt noch lange an. Trotzdem hielt sie mit großer Energie das Leben in dem kleinen Dorf aus, bis sie am 19. Januar, 1954, 6 Tage nach ihrem 80.Geburtstag, dort verstarb.
    2. Karl Bruno Christian Plaeschke, mein Vater, wurde am 5.März 1875 in Charlottenburg (jetzt Stadtteil von Berlin) geboren. Er war 1887 als 12-jähriger mit seinen Eltern und Geschwistern nach Straßburg gekommen, wo er das Gymnasium am Straßburger Münster besuchte, in dem auch ich das erste Schuljahr erlebte. Als Einjährig-Freiwilliger diente er bei der sog. Schweren Artillerie (Festungs- Artillerie). Er trat nach der Dienstzeit als "Supernumerar" in den Staatsdienst beim Ministerium für Elsaß-Lothringen ein. Am 31.3.1905 erhielt er die Bestallung als Kaiserlicher Regierungssekretär.

      Am 11.6.1910 heiratete er in Straßburg seine Cousine und Stiefschwester Elisabet Plaeschke (s. 5.1.), die Tochter von Gustav Plaeschke, einem Bruder meines Großvaters. Ihre Mutter hatte als Witwe meinen Großvater, der auch Witwer war, geheiratet und ihre beiden Kinder mit nach Straßburg gebracht, sodaß mein Vater und meine Mutter dort zusammen aufwuchsen.

      Meine Eltern hatten schon vom Beginn ihres Zusammenlebens eine Zuneigung zu einander gefaßt, die nach langen Jahren schließlich zur Heirat führte. Natürlich waren sich alle über das Risiko einer solchen Verbindung im Klarem. Bedenken bestanden jedoch nicht, was sich mein Vater noch besonders durch einen Rechtsanwalt bestätigen ließ. Die Skepsis war besonders bei den drei Schwestern meines Vaters groß, wobei aber eine gewisse Eifersucht der unverheirateten Schwestern die größere Rolle spielte. Alle diese Gedanken waren aber in dem Augenblick, als meine Eltern sich zur Heirat entschlossen, hinfällig, und das herzliche familiäre Einvernehmen blieb auch danach immer erhalten.

      Nach der Heirat bezogen meine Eltern eine Wohnung in der Kempfengasse in Straßburg- Ruprechtsau (jetzt Strasbourg-Robertsau, Rue Kempf) in der Nähe der Großelterlichen Wohnung. - Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs war mein Vater 39 Jahre alt und als Beamter vom Kriegsdienst freigestellt. Als er seinem Chef die von ihm aufgestellte Liste der Beamten vorlegte, die freigestellt werden sollten, fragte der ihn, wo denn sein Name sei. Mein Vater verneinte. "Dann schreiben Sie sich obenhin!" - Dabei blieb es bis Kriegsende.

      Als im November 1918 das Elsaß wieder französisch wurde und alle Reichsdeutschen ausgewiesen wurden, konnte mein Vater noch bis zum 1 .März 1919 in Straßburg bleiben, um den Dienst an die französischen Behörden zu übergeben. Dadurch konnte auch mein Großvater mit seinen Kindern noch solange bleiben, sodaß unsere Familie die 4 Monate nach Kriegsschluß recht gut überstand. Denn während im Reichsgebiet Hunger, Revolutionswirren und Streiks herrschten, wurde das Elsaß, das als "Tochter in die Arme der Mutter Frankreich" zurückkehrte, mit Lebensmitteln und allen im Krieg vermißten Dingen sofort gut versorgt. Auch die Möbel und sämtliches Inventar konnten meine Eltern unbeschädigt mit ins Reich hinübernehmen, sie wurden im plombierten Güterwagen nach Berlin verladen.

      Am 1. März 1919 begann die Reise ins Reichsgebiet. Sie ging mit vielen Unterbrechungen - der Zugverkehr war natürlich auch damals gestört, wenn auch nichts wie im 2.Weltkrieg zerstört war über Frankfurt nach Halle. Dort trennte sich mein Vater von uns und fuhr allein nach Berlin, während wir anderen nach Breslau weiterreisten.

      In Berlin war die Auffangstelle für die aus dem Elsaß zurückgekehrten Beamten. Mein Vater zog dort in die Wohnung meines Onkels Gustav, der nach dem Krieg ebenfalls nach Berlin gegangen und der preußischen Finanzverwaltung beschäftigt war. Er wohnte als Untermieter bei einer Witwe im Osten Berlins und die beiden, die sich seit frühester Jugend sehr gut verstanden, schlugen sich in dieser Zeit durch Hungersnot, politische Unruhen und Schießereien sogut wie möglich durch.

      Mein Vater war natürlich bemüht, eine Wohnung für uns zu finden, was in Berlin allerdings erfolglos blieb. Endlich gelang es ihm, in Potsdam eine Wohnung zu mieten, mit der wir unter den damaligen Umständen sehr zufrieden sein konnten. Ende April 1919 holte er meine Mutter und mich aus Breslau ab und wir zogen am 30.4. in Potsdam ein, wo wir bis zum Ende des zweiten Weltkriegs eine neue Heimat fanden.

      Das Haus in der Charlottenstraße 58 (jetzt Wilhelm-Pieck-Straße), dessen erstes Stockwerk wir bewohnten, war noch zur Zeit Friedrichs d. Gr. erbaut worden, und zwar 1779 von Georg Christian Unger, einem Schüler Gontards, der zur damaligen Zeit, als sich Potsdam aus einer Kleinstadt zur Residenzstadt Preußens entwickelte, ganze Stadtviertel neu anlegte. Das Haus war vor dem Krieg renoviert worden und entsprach mit schönen alten Kachelöfen, aber auch schon neuer elektrischer und Gas-Installation in der Küche dem damaligen Wohnstil. [Handschriftlicher Zusatz: und einem nachträglich eingebauten Badezimmer mit Gasbadeofen]

      Inzwischen war mein Vater zum Rechnungshof des Deutschen Reiches in Potsdam versetzt worden, sodaß die anfängliche tägliche Fahrt nach Berlin wegfiel. Er blieb dort bis zu seiner Pensionierung am 30.3.1940 als Regierungsoberinspektor mit dem nur dort noch erhaltenen Titel "Geheimer Registrator".

      Meine Eltern zogen im Frühjahr 1934 in eine Wohnung im neueren Teil der Stadt um, in die Markgrafenstraße 11 (jetzt Leiblstraße). Das Haus war vor wenigen Jahren neu erbaut und bot, vor allem mit Zentralheizung, mehr Komfort als das "friderizianische" Haus, das wir bisher bewohnten.

      Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, blieb Potsdam in den ersten Kriegsjahren von Luftangriffen verschont. Auch Ende 1943, als die massierten Luftangriffe auf Berlin begannen, wurde Potsdam immer ausgespart. Trotzdem hatte jeder Alarm für Berlin auch den entsprechenden Alarm für Potsdam zur Folge, sodaß meine Eltern regelmäßig ihren Keller auf suchen mußten, was für meinen Vater, der damals schon stärker erkrankt war, eine große Strapaze bedeutete. - Die Bevölkerung hatte sich allmählich schon mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß Potsdam, ähnlich wie Heidelberg, von den Alliierten wegen seiner historischen Bedeutung und seiner Kunstschätze vom Bombenkrieg verschont bleiben würde. Wenige Wochen vor Kriegsende brach dann doch das Unheil über die Stadt herein.

      Am Abend des 14. April 1945 kam der übliche Alarm, wie er jeden Angriff auf Berlin bisher begleitet hatte. Doch diesmal war Potsdam das Ziel der englischen Royal Airforce. Die Vorausflieger markierten mit den hell leuchtenden "Christbäumen" das Ziel, dann folgte ein Angriff von etwa 250 Flugzeugen mit Spreng- und Brandbomben. Ganze Straßenzüge sanken in Schutt zusammen. Im Bahnhof explodierte ein Zug mit Munition. Ein Feuersturm entzündete die noch unbeschädigten Häuser. Nach einer Viertelstunde war alles vorüber.

      Die Zahl der Toten ist nie genau ermittelt worden, sie wird auf 5000 geschätzt. Von den etwa 50.000 Wohnungen wurden 3000 total zerstört, etwa 20.000 beschädigt. Die Altstadt erlitt die schwersten Verluste, dabei wurden auch das Stadtschloß und die Garnisonkirche, die Hauptdenkmäler des historischen Stadtbilds, stark beschädigt, sodaß im kommunistischen Stadtrat später ihre völlige Beseitigung beschlossen wurde, obwohl eine Restauration noch möglich gewesen wäre.

      Durch einen Glücksfall - einen scharfen Nordwestwind, der die Leuchtzeichen nach Südosten abtrieb - blieb der Park von Sanssouci mit seinen Schlössern fast völlig verschont, ebenso der Neue Garten mit dem Marmorpalais und Schloß Cecilienhof. Auch die nördlichen Stadtteile erlitten nur geringere Schäden. So blieb auch das Haus, in dem meine Eltern wohnten, nur leicht beschädigt und meine Eltern unverletzt. Das Haus in der Charlottenstraße, das wir früher bewohnt hatten, wurde total zerstört. - Aber mein Vater überlebte die Bombennacht nur um eine Woche, denn dann erfolgte mit dem Einmarsch der Russen das endgültige Ende des Krieges und damit auch der Lebenskraft meines Vaters.

      Er hatte als Beamter drei Deutschen Reichen gedient: Dem Kaiserreich, der Weimarer Republik und dem Hitlerreich. Unter Wilhelm II. aufgewachsen, war die Treue zum Kaiserhaus für ihn selbstverständlich. [Handschriftlicher Zusatz: Ein Bild des Kaisers hing noch 1919 in ihrer Wohnung in Potsdam, wurde danach entfernt.] Die Hinwendung zur Republik gelang - nach anfänglichem Widerstreben - aus der inneren Überzeugung, daß die Monarchie nicht mehr zeitgemäß war. Das Hitlerregime lehnte er ab. Um so schlimmer war es für ihn, dienstlich in die Finanzierung dieses Reiches Einblick zu bekommen, insbesondere in die Rüstungsausgaben. Mein Vater hat darüber nie ein Wort verloren. Er wurde nur im Verlauf seines Lebens immer schweigsamer und pessimistischer. Dabei war er seiner Natur nach lebensfroh, aufgeschlossen und humorvoll. Ich hatte zu ihm immer ein sehr gutes Verhältnis. Er hätte es gern gehabt, wenn ich auch Beamter geworden wäre, hat aber nie versucht, mich zu beeinflussen und hat meine Berufswahl anerkannt. Er hatte auch gegen meinen Eintritt in die Partei keine Einwände, obwohl er sich selbst davon distanzierte. Auch gegen meine Heirat 1938, von der er mir abriet, hat er seine Vorbehalte schließlich aufgegeben. Aber als 1939 der Krieg ausbrach, dessen katastrophales Ende er voraussah, als meine Ehe 1941 zerbrach und ich bis zum Kriegsende in Norwegen blieb und als schließlich mit dem Bombenangriff auf Potsdam und dem Einmarsch der Russen die bisherige Existenz zu Ende schien, war es mit seinen Kräften zu Ende. Er war schon vorher an Herz- und Magenleiden erkrankt und starb am 22. April 1943 im Alter von 70 Jahren. - Meine Mutter konnte ihn nicht mehr beerdigen lassen. Die Brücke über die Havel war zerstört, der Friedhof jenseits der Havel nicht zu erreichen. Erst nach Tagen, als die Brücke wieder passierbar war, konnte mein Vater mit einem Sammeltransport beigesetzt werden. Er ruht in einem Massengrab auf dem Potsdamer Friedhof, zusammen mit den Opfern des Kriegsendes.

      Mein Vater hat seit Anfang 1945 keine Nachricht mehr von mir erhalten. Es hätte ihm sicher Freude gemacht, meinen weiteren Lebensweg mit zu erleben und Großvater zweier gesunder Enkelinnen zu sein. Daß er es nicht mehr erleben konnte, bleibt für mich ein tiefer Schmerz.
    3. Johanna Plaeschke, meine Tante Hanna, wurde am 8.11.1876 in Berlin geboren. Sie wuchs mit ihren Geschwistern in Straßburg auf und wurde 1902 Telegraphengehilfin im Fernsprechamt. Sie lebte immer zusammen mit ihren Schwestern Ottilie und Frieda, ihr weiterer Lebensweg ist oben bei Ottilie Pl. geschildert.

      In Breslau war sie weiter als Telegrafenassistentin tätig, bis zu ihrer Pensionierung im Januar 1927. Sie hat sich also mit 50 Jahren pensionieren lassen, wahrscheinlich aus gesundheitlichen Gründen.

      In Spiegelhagen bekam sie 1948 eine Rente von 67.- monatlich, die später erhöht wurde und 1963 142.- betrug. Nach dem Tode von Ottilie lebte sie in Spiegelhagen noch bis zu ihrem 90. Lebensjahr und starb dort nach zwei Schlaganfällen am 17.12.1966.

      Tante Hanna war schlankwüchsig, von etwas nervösem Temperament und gesundheitlich nicht sehr stabil. Trotzdem überlebte sie, die als die Schwächste galt, ihre beiden Geschwister. - Nach ihrem Tode fuhr ich nach Spiegelhagen, um den Nachlaß zu regeln. Das Dorf hatte sich seit den Jahren vor Kriegsausbruch kaum verändert. Ottilie und Hanna haben Grabsteine auf dem dortigen Friedhof erhalten und ruhen nun dort in der Priegnitz im Havelland.
    4. Margarete Plaeschke, geb. 2.1.1879 in Berlin, ist als Kind an Diphterie verstorben, einer Krankheit, die damals ärztlich noch nicht so beherrscht werden konnte wie heute. Sie starb am 11.3.1887 im Alter von 8 Jahren.
    5. Elfriede Plaeschke, meine Tante Frieda, wurde am 22.12.1880 in Berlin geboren. Sie war, ebenso wie Hanna, Postbeamtin in Straßburg. Ihr Lebensweg ist der gleiche wie bei Ottilie und Hanna. In Breslau war sie beim Postscheckamt tätig.

      Groß gewachsen und von kräftiger Statur ist sie offenbar in den Kriegsjahren stärker erkrankt. Sie litt anscheinend auch an Lähmungen und wurde noch vor Kriegsende am 22.Januar 1945 mit einem Krankentransport von Obernigk nach Seida bei Bautzen in Sachsen in ein Alters- und Pflegeheim gebracht, über die Zeit bis zum November 1945 liegen keine Aufzeichnungen von ihr vor. Sie war zwar nicht den Strapazen der Flucht ausgesetzt, war aber durch ihre Erkrankung und wenig ausreichende Pflege sehr hinfällig. Ihre Tagebuchnotizen, die sie als Briefe im November und Dezember 1945 an ihre Schwestern in Spiegelhagen schickte, sind erhalten (s. Anlage) und schildern das Leben in dem Heim, das sich in der täglichen Sorge um das Essen erschöpfte. Sie verstarb dort am 17. Januar 1946 mit 65 Jahren.
    6. Otto Plaeschke, geb.17.8.1883, ist 5 Tage nach seiner Schwester Margarete mit 4 Jahren ebenfalls an Diphtherie gestorben, am 16.3.1887.
    7. Ein letztes Kind, getauft auf den Namen Elisabeth Margarete Helene, ist nach der Geburt am 10.7.1887 gestorben.
  2. Kinder von Ottilie Danigel, geb.Plaeschke.
    1. Klara Danigel, war verheiratet mit Grundmann. Sie hatten eine Tochter Hilde.
    2. Ottilie Danigel war verheiratet mit Max Reimann. Er war von Beruf Goldschmied, die Ehe war kinderlos.
    3. Olga Danigel war verheiratet mit Negwer, sie hatten zwei Töchter, die Zwillinge Ursula und Angela.
    4. ....
  3. Kinder von Selma Erdmann geb. Plaeschke.
    Von den vier Kindern ist nichts näheres bekannt.
  1. Kinder von Robert Plaeschke.
    1. Helene Plaeschke, geb.19.8.1874, lebte in Breslau, wo sie im März 1919 zusammen mit ihrer Schwester Emilie unsere aus Straßburg kommende Familie aufnahm. Sie heiratete am 28.2.1920 Georg Müller, geb. 1.2.1869. In den 20er Jahren besuchte sie uns mit ihrem Mann einmal in Potsdam. Nach dem Krieg lebten sie in Burgdorf b. Hannover, wo ihr Mann am 3.11.1955 verstarb. Sie selbst starb am 2.12.1961 mit 87 Jahren. Ihre Ehe war kinderlos.
    2. Robert Plaeschke, geb.26.11.1875, lebte in Breslau, war verheiratet mit Emilie ... und starb 1945. Seine Frau starb ebenfalls 1945. Die Ehe war kinderlos.
    3. Oskar Plaeschke, geb. 1876 (?) Über ihn ist nichts näheres mehr bekannt.
    4. Maria Plaeschke, geb.27.1.1878, war verheiratet mit dem Ingenieur Erik Karlstrand und lebte mit ihm in Stockholm, wo sie 1942 starb. Sie hatten zwei Söhne, Werner und Gunnar, mit denen sie uns einmal in den 20er Jahren in Potsdam besuchten. Ihr Mann heiratete in zweiter Ehe Elise ...
    5. Otto Plaeschke, geb.9.2.1882, war als Stuckateur bei seinem Onkel Oskar in Lodz in der Lehre und lebte später in Berlin. Er war in erster Ehe verheiratet mit Grete ...? in zweiter Ehe mit Marie ... Aus der ersten Ehe stammten zwei Töchter, Lotte und Trude. Er starb 1946.
    6. Emilie Plaeschke, meine Tante Mieze, geb.11.2.1883, wohnte in Breslau und heiratete am 7.9.1918 Moritz Sohlich, geb.8.4.1382. Im März 1919 fanden meine Mutter und ich bei ihr freundliche Aufnahme, als wir von Straßburg kamen. Wir wohnten dort einen Monat bis zu unserer Übersiedlung nach Potsdam bei ihr. Nach dem Krieg kam sie mit ihrer Tochter Eva-Marie nach Oldenburg/Old. Ihr Mann starb 1947. Ich besuchte sie 1956 einmal von Hamburg aus. Sie ist am 2.10.1968 in Oldenburg verstorben, 85 Jahre alt.
    7. Olga Plaeschke, geb.30.9.1886, war verheiratet mit dem Fotografen Fritz Sjöstedt in Stockholm und starb dort. Sie hatten zwei Söhne, Tore und Arne. Ihr Mann heiratete in 2. Ehe Toni...
    8. Wilhelm Plaeschke, geb. 10.10.1889, war Zahnarzt. Er lebte vor dem 2.Weltkrieg in Glogau in Schlesien und heiratete an 11.4.1914 Elli Jahrisch, geb. 16.9.1893 in Glogau. Aus dieser Ehe stammten zwei Kinder, Karl-Heinz und Käthe. Nach dem Krieg lebten sie in Wernau Krs.Eßlingen, Württbg. Nach dem Tode seiner Frau heiratete er am 12.8.1941 Ottilie Goraus, geb. 3.9.1912 in Kattowitz, die kurz nach der Geburt ihrer Tochter Elfie 1943 verstarb. Er lebte danach mit seiner Tochter Käthe in Wernau, wo er am 20.11.1982 verstarb, mit 93 Jahren der bisher älteste Familienangehörige.
    9. Margarete Plaeschke, geb.13.2.1893 war Beamtin bei der Bahn und lebte bis zum Krieg in Breslau. Dort lernte ich sie ebenso wie meine Tanten Helene und Mieze im März 1919 kennen. Nach dem Krieg lebte sie, unverheiratet, in einem Dorf in Bayern und starb dort am 23.2.1975.
  1.  
    1. Elisabet Plaeschke, meine Mutter, wurde am 3.4.1881 in Lübeck geboren. Schon 1886, mit 4 1/2 Jahren, verlor sie ihren Vater (s. S. 50). Ihre Mutter zog darauf mit ihren beiden Kindern nach Breslau in das elterliche Haus der Familie Stache. Sie wohnten dort bis 1895, dann heiratete die Mutter den Bruder ihres verstorbenen Mannes, der inzwischen auch Witwer geworden war (s. S. 46) und zog mit ihren Kindern zu ihm nach Straßburg.

      Auf diese Weise kamen zu den vier Kindern meines Großvaters noch meine Mutter und ihr Bruder Gustav als Stiefgeschwister und Vetter + Base hinzu. Mein Vater war damals 20, meine Mutter 13 Jahre alt. Beide faßten sehr schnell eine Zuneigung zueinander, die später zur Heirat führen sollte (s. S. 54).

      Nach ihrem Schulabschluß mit 16 Jahren besuchte meine Mutter seit dem Juni 1898 die Frauen- Industrie- und Fortbildungsschule des Vaterländischen Frauenvereins in Straßburg. Sie erhielt dort im Jahre 1900 das Zeugnis als Turnlehrerin und 1901 das Zeugnis für den Unterricht im Schneidern und Nähen. Als "Industrielehrerin" ging sie dann nach Schlettstadt im Elsaß, wo sie bis 1909 tätig war.

      Dieser Abstand zum Elternhaus war nach den damaligen gesellschaftlich Spielregeln erforderlich, denn meine Eltern galten etwa seit 1900 als Verlobte. Zu den Wochenenden fuhr meine Mutter aber regelmäßig nach Straßburg. Mein Vater hatte dann meist Theaterkarten besorgt (Kinos gab es damals noch nicht!), und so gingen sie sehr oft in das Straßburger Theater, an dem damals auch der Komponist Hans Pfitzner Dirigent und Opernleiter war.

      Im September 1909 erfolgte die offizielle Verlobung. Meine Mutter war dann noch einige Monate in Bauerwitz im damaligen Oberschlesien bei Verwandten zu Besuch, und am 11.6.1910 heirateten meine Eltern in der evangelischen Kirche in Ruprechtsau, einem Vorort von Straßburg. Dort wohnten sie in der Nähe der elterlichen Wohnung bis zur Ausweisung am 1. März 1919 (s. S. 55).

      Während mein Vater sich bei der Reise ins Reich in Halle a. d. Saale von uns trennte, um allein nach Berlin zu reisen, fuhr meine Mutter mit dem Rest der Familie nach Breslau weiter. Dort wurden meine Mutter und ich liebevoll von meiner Tante Mieze (Emilie Sohlich, s. 5.6.) aufgenommen, während mein Großvater mit deinen drei Töchtern zu Tante Lenchen (Helene Plaeschke, s. 5.1.) zog. - Als mein Vater in Potsdam eine Wohnung gefunden hatte, holte er uns am 30.4.1919 von Breslau ab nach Potsdam, wo meine Eltern bis zum Tode meines Vaters beim Kriegsende 1945 zusammen lebten.

      Die letzten Kriegsmonate waren für meine Mutter eine schwere Belastung. Durch die Bombenangriffe auf Berlin hatten Onkel Gustav und Tante Dora ihre Wohnung in Berlin verloren. Sie konnten zwar in der warmen Jahreszeit in ihrem Sommerhaus in Wendisch-Buchholz wohnen, aber im Winter war das unmöglich. So waren sie seit Herbst 1944 bei meinen Eltern einquartiert, was den Haushalt meiner Mutter um das doppelte vergrößerte.

      Dazu kam die Sorge um meinen kranken Vater. Seine Atemnot als Folge eines Herzleidens hatte sich so verschlimmert, daß der Hausarzt ihm täglich Injektionen geben mußte. Das hatte zur Folge, daß meine Eltern bei den täglichen Luftalarmen auch nicht mehr in den Keller gingen. Meine Mutter konnte die Koffer nicht mehr tragen und mein Vater die Treppen nicht mehr steigen. Die Alarme häuften sich Ende April auf 2-3 mal am Tag und die Nervenbelastung erreichte ihren Höhepunkt, als am 14. April der Luftangriff auf Potsdam erfolgte, den meine Eltern glücklicherweise unverletzt überstanden.

      Als eine Woche später die russische Armee Potsdam besetzte und mein Vater verstorben war, bekam meine Mutter nun als Inhaberin einer einigermaßen unbeschädigten Wohnung russische Soldaten als Einquartierung (Onkel Gustav und Tante Dora erlebten das Kriegsende in Wendisch-Buchholz). Der erste Siegestaumel der Russen mit Plünderungen und Gewalttaten war schnell vorüber, danach verhielten sich die Soldaten ziemlich diszipliniert. So hatte auch meine Mutter persönlich nichts auszustehen. Sie verstand es, mit der russischen Einquartierung umzugehen und sich auf dem schwarzen Markt die notwendigen zusätzlichen Lebensmittel zu verschaffen. Als die Besatzung nach einiger Zeit kaserniert wurde, konnte meine Mutter auch wieder aufatmen. Ein Krampfaderleiden zwang sie aber zu einem längeren Krankenhausaufenthalt.

      Im November 1945 hatte meine Mutter die erste Nachricht wieder von mir erhalten, nachdem sie seit April nichts mehr von mir gehört hatte. Im Mai 1946 konnte ich sie zum ersten Mal wieder für ein paar Tage besuchen, indem ich von Wolfenbüttel aus schwarz über die Grenze in die Sowjetzone ging. - Wir blieben dann in Briefwechsel, bis ich im November 1949 meine Mutter auffordern konnte, ihre Wohnung aufzugeben und zu uns nach Braunschweig überzusiedeln.

      In unserer Wohnung hatten wir dort ein Zimmer für sie eingerichtet und meine Mutter blieb jetzt bei uns und machte unsere Umzüge nach Mannheim 1951 und nach Hamburg 1954 mit. In Mannheim erlebte sie die Geburt von Marita und Karla und in Hamburg Helgas Erkrankung und Leidensweg.

      Nach Helgas Tod führte sie mir bis zu meiner Heirat mit Else im Dezember 1957 den Haushalt, was bei ihrem Alter - sie war inzwischen über 75 Jahre alt - keine leichte Aufgabe war. Wir hatten zwar eine Tageshilfe eingestellt und die Kinder vormittags im Kindergarten untergebracht, aber da ich die meiste Zeit auf Dienstreisen war, lag die Hauptlast der Arbeit und Verantwortung doch auf meiner Mutter.

      Am 18. Dezember 1957 brachte ich meine Mutter mit den beiden Kindern von Hamburg nach Essen, wo wir am 19.12. Hochzeit mit Else feierten. Während die Kinder und ich danach in Essen blieben, fuhr meine Mutter nach Hamburg zurück und blieb dort in unserer Wohnung, bis wir sie im August 1953 nach Köln holten. Nach einem 14-tägigen Aufenthalt in Aßmannshausen am Rhein zog sie im September 1958 in ein möbliertes Zimmer in unserer Nähe in Köln. So wohnte sie 5 Jahre in Köln in unserer Nähe, bis ihre Gesundheit die Pflege in einem Altersheim notwendig machte.

      Am 1 .Oktober 1963 brachten wir meine Mutter in das Altersheim des Ev. Clarenbachwerks nach Kottenheim in der Eifel, in der Nähe der Stadt Mayen. Es war ein Haus, das von etwa 8-9 Personen bewohnt und von einer Krankenschwester geleitetet wurde. Meine Mutter hatte dort gute ärztliche Betreuung und fühlte sich auch in ihrer Umgebung ganz wohl, wobei sie sich natürlich am meisten über unseren monatlichen Besuch freute, bei dem wir meist eine Spazierfahrt in die Umgebung, nach Maria-Laach oder in die Eifel machten. Zu Weihnachten und an anderen Feiertagen holten wir sie auch zu uns nach Köln, besonders auch nach Donrath, nachdem wir dort 1968 unser Haus bezogen hatten. Ihren 90. Geburtstag feierten wir im November 1971 bei ihr in Kottenheim, da ihr die Fahrt zu uns schon zu beschwerlich war, mit Kindern und Enkelkindern. Bald danach wurde sie aber pflegebedürftig, und da in dem Altersheim keine Pflegemöglichkeit bestand, kam sie am 12.8.1972 auf die Pflegestation des Clarenbachwarks in Köln-Braunsfeld. Dort verbrachte sie - schon schwer an Knochen - und Muskeldegeneration leidend - noch drei Monate. Am 7.11.1972, drei Tage nach ihrem 91. Geburtstag, verstarb sie dort nach einem erfüllten Leben. Sie ruht als erste unserer Familie auf dem Friedhof in Lohmar-Wahlscheid.
    2. Gustav Plaeschke, mein Patenonkel, wurde am 30. 12.1883 in Lübeck geboren. Zusammen mit meiner Mutter kam er 1895 mit 11 Jahren in das Haus meines Großvaters nach Straßburg. Es entwickelte sich - ebenso wie bei meiner Mutter - ein besonders freundschaftliches Verhältnis zu meinem um 8 Jahre älteren Vater, zumal mein Vater als einziger Sohn bisher mit seinen drei Schwestern aufgewachsen war (ein Bruder und eine weitere Schwester waren schon acht Jahre vorher gestorben). Mein Vater blieb für Onkel Gustav immer der große Bruder, der ihn beschützte und ihm weiter half, ein Freundschaftsverhältnis, das ein Leben lang anhielt.

      Nach der Schulzeit in Straßburg ging Onkel Gustav im Januar 1901 als Berufssoldat zum Brandenburgischen Pionierbattallion Nr. 15 in Straßburg (die Truppen im Elsaß bestanden meist aus preußischen Einheiten, während die gebürtigen Elsässer in den Osten Deutschlands geschickt wurden, ein taktischer Fehler, der das Verhältnis der Elsässer zum Reich nicht gerade günstig beeinflußte). 1906 kam er als Sergeant (entsprechend etwa heute einem Unterfeldwebel) nach Berlin zu einer Pionier-Versuchskompanie, die dem Berliner Garde-Pionierbatallion angegliedert war.

      Mit dieser Kompanie zog er im 1.Weltkrieg 1914 nach Frankreich, als Feldwebel und Offiziersstellvertreter. Bei einer Granatexplosion blieb er zwar unverletzt, erkrankte aber durch den Schock nach der Verschüttung und wurde 1916/17 zum Ersatzbataillon zurückversetzt. Er kam dann als Beamter in den Dienst der Preußischen Staatsschuldenverwaltung, wurde Finanzobersekretär und blieb auch nach Kriegsende in Berlin, wo mein Vater vom März bis Mai 1919 bei ihm in seiner Junggesellenbude wohnte.

      Am 28.5.1921 heiratete er in Garzau bei Rehfelde, Kreis Oberbarnim, Theodora Hellmund, die Tochter von Friedrich Hellmund und seiner Frau Emma geb. Piper. Friedrich Hellmund war Gärtner gewesen und lebte als Rentner in Garzau, ca. 30 km östlich von Berlin. Er stammte aus einer Pfarrersfamilie. Theodora Plaeschke, meine Tante Dora, war dort am 9.2.1896 geboren, die Ehe blieb kinderlos.

      Zunehmende dienstliche Schwierigkeiten (bei der Vorbereitung zur Prüfung als Finanzinspektor) veranlaßten meinen Onkel, 1925 mit 41 Jahren aus Gesundheitsgründen aus dem Dienst auszuscheiden, nachdem ein Nervenleiden als Kriegsbeschädigung anerkannt worden war. Onkel Gustav und Tante Dora kauften sich 1926 ein kleines Haus in Wendisch-Buchholz (der Ort wurde nach 1933 in Märkisch-Buchholz umbenannt), ca. 60 km von Berlin entfernt. Es war ein sog. Chausseehaus, früher für die Familie des Straßenwärters bestimmt, und lag an der Landstraße, die von Berlin nach Lübben zum Spreewald führte. Das Haus, ohne elektrisches Licht und mit Brunnenwasser (damals lernte ich noch die gemütliche Petroleumlampe kennen) hatte einen schönen Obstgarten und diente nur als Sommersitz. Den Winter verbrachten die beiden in ihrer Mietwohnung in Berlin. Von 1927 bis 1938 besuchten wir sie regelmäßig zu Pfingsten in ihrer Sommerresidenz.

      Im 2. Weltkrieg wurde die Berliner Wohnung im Dezember 1940 durch Bombenangriff zerstört. Meine Eltern nahmen Onkel Gustav und Tante Dora auf, bis sie in Berlin eine neue Unterkunft gefunden hatten. Im Sommer wohnten sie weiterhin in/1 Wendisch-Buchholz. - So waren sie auch schon im April 1945 wegen der ständigen Bombenangriffe auf Berlin in ihr Haus gezogen, als der Krieg zu Ende ging. Die Russen hatten die Oder überschritten, Sachsen erreicht und standen am 20. April im Vorgelände von Berlin. In diesen Tagen gerieten Onkel Gustav und Tante Dora, die gerade auf dem Weg zu ihrem Haus waren, mitten in die Gefechtsfront der Russen. Sie wurden getrennt, als sie Deckung suchten, aber Tante Dora gelang es, durch Verhandlung mit einer russischen Kommissarin zu Onkel Gustav zu kommen und - unter Hinweis auf ihr beiderseitiges Alter - aus der Kampfzone unversehrt zu entkommen. Seitdem lebten sie teils in Berlin, teils bei meiner Mutter, die am 22.4. meinen Vater verloren hatte, in Potsdam.

      Nachdem meine Mutter 1949 zu mir in den Westen gezogen war, betrieb Onkel Gustav die Übersiedlung aus Berlin als "Familienzusammenführung" zu meiner Mutter, die seit 1954 bei uns in Hamburg lebte. Es gelang ihnen, nach vielen Schwierigkeiten, diese Übersiedlung zu erreichen. Allerdings mußten sie dabei auf getrennten Wegen vorgehen, sodaß Onkel Gustav Anfang 1957 nach Hamburg kam, während Tante Dora über einen Aufenthalt im Flüchtlingslager Friedland erst einige Monate später ankam. Sie bewohnten zunächst eine kleine 2-Zimmerwohnung in unserer Nähe in Hamburg-Eppendorf. Nach längerem Bemühen um eine größere Sozialwohnung war ihnen schon eine passende Wohnung in einem Hochhaus in Hamburg-Horn zugesagt worden, als plötzlich Tante Dora am 9.März 1963 verstarb.

      Tante Dora hatte von Jugend an ein Herzleiden, das aber durch gesunde Lebensführung und ärztliche Kontrolle jahrzehntelang zu keiner ernsthaften Besorgnis Anlaß gab. Vielleicht hatte sich ihr Leiden durch die Aufregungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre verschlimmert, eine akute Gefahr hatte sich aber nicht bemerkbar gemacht. So kam ihr plötzlicher Tod, mit 67 Jahren, für uns alle doch überraschend und ließ Onkel Gustav, der von ihr stets sehr umsorgt worden war, jetzt allein zurück.

      Onkel Gustav bezog nun, da er auf das zugewiesene Wohnrecht nicht verzichten wollte, eine Ein-Zimmerwohnung mit Kochnische und Bad im gleichen Hochhaus in Hamburg-Horn, in der er noch 12 Jahre lang allein hauste. Ich besuchte ihn regelmäßig dort, und er kam auch in den ersten Jahren zu uns nach Köln und später nach Donrath zu Besuch. Allmählich wurde er aber doch so hinfällig, daß er unserem mehrfachen Zureden, in ein Altersheim zu gehen, doch endlich nachgab. So holten wir ihn am 5.8.1975 von Hamburg zu uns nach Donrath, nachdem wir im evangelischen Altersheim Wahlscheid einen Platz für ihn besorgt hatten. Seit dem 8.August bewohnte er dort ein Einzelzimmer und hatte sich gerade einigermaßen eingelebt, als sich im Februar 1976 die Notwendigkeit einer kleineren Operation ergab, die im Siegburger Krankenhaus durchgeführt werden mußte. Nach einer Woche Aufenthalt dort kam er bettlägerig zurück und fand nicht mehr die Kraft zum Aufstehen. Ein beginnendes Lungenödem führte zum Herzversagen am 31.März 1976.

      Onkel Gustav hatte noch das Weihnachtsfest 1975 und kurz danach seinen 92. Geburtstag bei uns in Donrath feiern können. Es war sein letztes Zusammensein mit uns. Er hat das bisher längste Lebensalter in unserer Familie erreicht und, länger noch als mein Vater, die Wandlungen Deutschlands vom Kaiserreich über zwei Kriege bis zur Bundesrepublik miterlebt. Er ruht in der Nähe meiner Mutter auf dem Friedhof in Wahlscheid.
  2. Kinder von Oskar Plaeschke.
    1. Flora Plaeschke, geb. 1881 Lodsch, + ca. 1945.
    2. Olga Plaeschke, geb. 21.2.1883 Lodsch. Sie war verheiratet mit Reinhold Keilich, der im 1.Weltkrieg fiel. Sie hatten zwei Kinder.
    3. Oskar Plaeschke, geb. 23.1.1889 Lodsch, war verheiratet mit Klara HilIe und führte zusammen mit seinem Bruder Karl das Geschäft seines Vaters weiter. Er starb 1954.
    4. Karl Plaeschke, geb.22.5.1892, übernahm 1913 das Geschäft seines Vaters und nahm des Geschäfts wegen die russische Staatsangehörigkeit an. Im ersten Weltkrieg wurde er interniert und kam in den Osten Rußlands, u.a. nach Tiflis. Nach der russischen Revolution 1917 kam er durch das schwedische Rote Kreuz zunächst nach St. Petersburg (jetzt Leningrad) und wurde als Dolmetscher eingezogen. Er sollte 1918 nach Berlin versetzt werden, sprang aber auf der Fahrt dahin in Lodsch vom Zug, um seine Eltern wiederzusehen. Dort fand er bei seinen Eltern auch seine Verlobte wieder, Annemarie Rothey geb. 13.11.1889, die er 1920 heiratete. Sie hatten zwei Kinder, Heinz und Inge. Seine Frau und seine Kinder behielten die deutsche Staatsangehörigkeit. Nach der Errichtung des polnischen Staates optierte er für Polen, um das väterliche Geschäft weiterführen zu können, wobei sein Bruder Oskar als Teilhaber mitwirkte. Karl wurde in den 30er Jahren Obermeister der Innung in Lodsch.

      Im zweiten Weltkrieg galten beide Familien als "Volksdeutsche" und mußten bei Kriegsende flüchten. Sie kamen im Treck nach drei Wochen bis Kottbus, wo Karl im Januar 1945 an Leukämie erkrankte, danach nach Warmsdorf im Sudetengau, wo die Schwester von Klara Hille, der Frau seines Bruders Oskar, lebte. Im weiteren Verlauf der Flucht gelangten sie über Helmstedt nach Weddern bei Dülmen, blieben dort bis 1949 und zogen schließlich nach Albbruck am Oberrhein (Krs.Waldshut). Karl starb dort am 15.4.1956, seine Frau lebt dort mit ihrer Tochter Inge.
    5. Gertrud Plaeschke, geb.31.8.1899
      Zu den Informationen über meinen Namensvetter Karl Plaeschke kam ich auf eigenartige Weise: Als ich im Juli 1974 während einer Kur in Krozingen im Schwarzwald den dortigen Kurarzt aufsuchte, wurde im Wartezimmer der Name Plaeschke aufgerufen. Ich stand auf, gleichzeitig er hob sich eine ältere Dame. Wir stutzten beide, ich sagte: "ich bin gemeint". Darauf sie: "Nein, ich heiße Plaeschke!” - Nach der Sprechstunde sprachen wir uns dann, und sie war überrascht, daß ich über den Lodscher Zweig der Familie Plaeschke Bescheid wußte. Es stellte sich heraus, daß sie Annemarie Plaeschke, geb. Rother war, die Witwe von Karl PI. - Bei einem Glas Wein, zu dem wir uns mit Else und ihrer Freundin verabredet hatten, erzählte sie uns die Geschichte ihrer Familie. Sie war zufälligerweise zur gleichen Zeit wie ich in Krozingen zur Kur gewesen. - Auf einen Brief, den ich im Herbst 1974 nach Albbruck schrieb, bin ich jedoch leider ohne Antwort geblieben.

XI. Generation.

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XII. Generation,

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XIII. Generation.

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XIV. Generation.

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Jüngere Linie der Familie Plaeschke. (Strehlener Linie).

Von der V. Generation an trennen sich die beiden Linien, bedingt durch die zweite Ehe des Pfefferküchlers Samuel Plaeschke (s. S. 33). Die jüngere, sog. Strehlener Linie geht von Johann Christian Plaeschke aus, dem 2. Sohn Samuels aus 2. Ehe. Die folgende Übersicht umfaßt nur die direkten Nachkommen der Familie Plaeschke, der ausführliche Stammbaum ist noch umfangreicher.

VI. Generation.

Kinder von Johann Christian Plaeschke.

  1. Chrjstian Gottlieb Plaeschke, geb. 28.10.1747 in Strehlen, war Kaufmann in Strehlen, heiratete am 23.6.1776 Jahanna Christiane Burghard (+ 13.7.1778), die Tochter des Verfassers der Strehlener Stadtchronik von 1735, Johann Gottlieb Burghard (s. S. 3). Nach ihrem Tode heiratete er am 12.4.1780 Johanna Dorothea Burghard, geb. 24.1.1757. Er starb am 6.1.1826 in Strehlen.
  2. Karl Ferdinand Plaeschke, geb.2.2.1752 in Strehlen, war ebenfalls Kaufmann in Strehlen. Er heiratete am 16.11.1785 Maria Elisabeth Ibert (geb. 21.7.1757, + 24.1.1820, Tochter des Zinngießers Ibert aus Streben). Er übernahm 1786 das väterliche Haus und Geschäft in Strehlen. - Zinngeschirr aus der Familie habe ich noch im Hause des Justizrats Alfred Plaeschke 1937 in Liegnitz gesehen. Er starb am 12.11.1824.
  3. Christiane Elisabeth Plaeschke war verheiratet mit ... Bischof, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

VII. Generation.

  1. Kinder von Christian Gottlieb Plaeschke.
    1. Kinder aus der 1. Ehe.
      1. Christiane Friderike Eleonore Plaeschke, geb.11.1.177, + 16.10.1777 in Strehlen.
      2. Carl Gottlieb Plaeschke,geb. 26.6.1778, + 31.7.1778 Strehlen.
    2. Kinder aus der 2. Ehe.
      1. Johanna Christiane Plaeschke, geb.9.1.1781 in Strehlen, heiratete am 26.4.1804 den Stadt- und Kreisphysikus Dr. Klose in Strehlen (geb.27.5.1771 in Breslau, + 22.1.1847 in Strehlen). Sie starb am 22.1.1847 in Strehlen. Aus der Ehe gingen 5 Söhne hervor.
      2. Johann Gottlieb Plaeschke. geb. 12.9.1782, + 10.10.1783.
      3. Dorothea Juliane Plaeschke, geb. 16.4.1784 in Strehlen, heiratete 14.6.1809 August Wilhelm Hübner, Apotheker in Breslau. Sie starb 6 Monate nach der Hochzeit am 5.12.1809.
      4. Samuel Gottlieb Plaeschke, geb. 23.1.1786 in Strehlen, "erlernte die Baukunst" und wurde 1806 Kgl. Kammerkondukteur. Er übernahm den Bau des Lazaretts in Frankenstein, den Bau der Hauptwache in Glatz und des dortigen Proviantamts. 1812 übernahm er das väterliche Geschäft. Er heiratete in 1. Ehe am 15.4.1812 Johanna Rosina Baumann (geb.26.10.1790, + 26.3.1845), Tochter des Stadtmüllers Baumann in Strehlen. In 2. Ehe Johanna Juliane Kunze geb.12.6.1809, + 11.5.1885). Er starb am 2.11.1846 in Strehlen am Brustkrampf.
      5. Christiane Friderike Plaeschke, ge. 12.8.1791 in Strehlen, heiratete am 17.9.1816 Wilhelm Ehrmann, Bürgermeister in Strehlen. Sie starb am 26.4.1834. Der Ehe entstammten. 8 Kinder.
  2. Kinder von Karl Ferdinand Plaeschke.
    1. Johann Christian Ferdinand Plaeschke, geb. 19.7.1790 in Strehlen, trat 1805 in die Lehre des Apothekers Schwab in Strehlen, gab diesen Beruf auf und übernahm 1818 das väterliche Haus und Geschäft. Er heiratete am 2.9.1818 Juliane Eleonore Hoffmann, (geb. 19.12.1799, + 1880).
    2. Heinrich Gottlieb Plaeschke, war Maurermeister und Kaufmann in Strehlen.

VIII. Generation.

  1. Kinder von Samuel Gottlieb Plaeschke.
    1. Aus 1. Ehe.
      1. Juliane Plaeschke, geb. 28.4.1813 Strehlen, heiratete am 28.10.1835 den Landessteuereinnehmer Rechnungsrat Carl Gottlieb Rother, starb am 11.2.1882. Die Ehe blieb kinderlos.
      2. Eduard Plaeschke, geb. 29.6.1814 in Strehlen, war Kaufmann und übernahm das väterliche Geschäft. Er war verheiratet in 1. Ehe mit Albertine Schulz (geb. 23.12.1823, + 11.7.1857), Tochter des Lederhändlers Schulz in Juliusburg, und heiratete noch ein zweites Mal. Er starb am 23.7.1858 in Strehlen.
      3. Gustav Plaeschke, geb. 30.10.1815 in Strehlen, war Kreisrichter in Liebau und Schweidnitz, verheiratet mit Agnes Milde. Er starb durch Freitod am 7.4.1862 in Schweidnitz.
      4. Moritz Plaeschke, geb. 21.5.1817 in Strehlen, war Kunstmaler. Ausgebildet von Maler König in Breslau, war er seit 1836 auf der Kunstakademie in Düsseldorf, als Schüler von Th. Hildebrand. Er wurde dort Mitbegründer der Künstlergesellschaft "Malkasten". Am 25.5.1846 heiratete er Mathilde Knevels (geb.27.7.1820, + 25.11.1877) und starb am 8.6.1888. Seine Werke sind in Privatbesitz zerstreut. Er schuf religiöse Bilder, u.a. das Altarbild für die Michaeliskirche in Strehlen, Genrebilder, vielfach dem hessischen Volksleben entnommen, sowie Portraits, die sich auch im Familienbesitz befanden. Zwei Gemälde, vom alten Kaiser Wilhelm erworben, wanderten nach Schloß Babelsberg bei Potsdam.

        Eine Aufstellung einiger seiner Werke findet sich in: Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Bd. II., Dresden 1898. Er wird ferner erwähnt in: Vollmer, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. 27, Leipzig 1933.
      5. Mathilde Plaeschke, geb. 21.1.1820 Strehlen, + 1822.
      6. Julius Plaeschke, geb. 2.5.1823 Strehlen, war Regierungsbeamter, 1842 Kassensekretär, ging in die Kommunalverwaltung über und wurde 1857 Stadtrat und Kämmerer in Breslau, 1872 Direktor der Breslauer Wechselbank. Er war in 1. Ehe verheiratet mit Ottilie Krieger (geb. 1827, + 1848) und heiratete am 11.3.1849 Jenny Heydt (+ 1911). Er starb am 25.2.1881 in Aschaffenburg.
      7. Rudolf Plaeschke, geb. 9.6.1825 in Strehlen, war Kaufmann in Strehlen, verheiratet mit Emilie Schildt, Tochter des Kaufmanns und Ratsmannes Schildt in Strehlen.
  2. Kinder von Johann Christian Ferdinand Plaeschke.
    1. Adolf Plaeschke, geb. 31.12.1826, in Strehlen, besuchte nach der Stadtschule in Strehlen die Realschule in Breslau, machte 1843-1847 die Lehre als Apotheker in Strehlen und studierte 1850-1852 Pharmazie an der Universität in Breslau. 1857 kaufte er die Löwenapotheke in Rawitsch (Prov. Posen), verkaufte sie 1862 und gründete dann eine Mineralwasserfabrik in Strehlen. Er heiratete am 20.8.1857 Marie Maennling (geb. 3.6.1827, + 13.10.1914), Tochter des Kaufmanns Maennling und seiner Ehefrau geb. Ibert (Enkelin des Zinngießers Ibert, also Base 3. Grades). Er starb am 27.3.1864 an Typhus.
    2. Emilie Plaeschke, geb.24.3.1829 in Strehlen, heiratete den Kreisphysikus, Geh. Sanitätsrat Dr. med. Eduard Bleisch (geb. 27.1.1813 in Nimptsch, + 6.8.1900 in Strehlen), Sohn des Konditors Bleisch in Nimptsch. Aus der Ehe entstammten 6 Kinder.

      Sie starb am 15.10.1893 in Leubau.
  3. Tochter von Heinrich Gottlieb Plaeschke.
    1. Hildegard Plaeschke.

IX. Generation.

  1. Kinder von Eduard Plaeschke.
    1. Aus 1. Ehe.
      1. Helene Plaeschke, geb. 13.5.1845, war verheiratet mit dem Regimentstierarzt Sobotta in Ohlau, später Tierarzt in Obernigk (+ 1907). Sie starb am 27.1.1886 in Ohlau. Die Ehe war kinderlos.
      2. Karl Plaeschke, geb.6.11.1846 in Strehlen, + 24.12.1889 in Schurgast, war Kaufmann, verheiratet mit Pauline Queisker (geb.12.5.1843, + 1919 in Schurgast).
      3. Hermann Plaeschke, geb. 8.1.1849 in Strehlen, war 1868 Güterexpedient in Kreuzburg, 1890 in Breslau, seit 1908 Obergüter-Vorsteher in. Bochum, starb 12.1.1919 in Breslau. Er war in 1. Ehe verheiratet mit Agnes Rother, (geb.1.6.1848, + 1.6.1885), in 2. Ehe 1888 mit Berta Chutak (geb. 27.8.1860).
      4. Anna Plaeschke, als Kind gestorben.
      5. Otto Plaeschke, geb. 1852, + 1856.
      6. Marie Plaeschke, geb. 1854, + 1856.
    2. Aus 2. Ehe:
      1. Eduard Plaeschke, war Kohlenhändler in Strehlen.
  2. Kinder von Gustav Plaeschke.
    1. Hugo Plaeschke, geb. 11.4,1848 in Liebau, + 1913 in Garmisch.

      Er war Bankassessor in Karlsruhe, dann in Köln, 1895-1902 Reichsbankdirektor in Liegnitz, später in Koblenz, Geh. Finanzrat. Verheiratet war er mit Käthe Schott, (geb. 19.2.1864, + 30.3.1918.)
    2. Georg Plaeschke, geb. 14.9.1855 in Liebau, war Buchhändler in Breslau.
  3. Kinder von Moritz Plaeschke.
    1. Moritz Plaeschke, geb. 29.7.1847 in Düsseldorf, war Buchhändler in Krefeld, verheiratet n29.7.1874 mit Sofie Paulus, (geb.3.5.1851, + 23.4.1907). Er starb am 21.1.1014 in Krefeld.

      Die Buchhandlung Plaeschke in Krefeld, Rheinstr. 100, besteht heute noch unter diesem Namen. Ich besuchte sie anläßlich einer Reise in den 60er Jahren, die jetzigen Inhaber führen nur den Namen des Geschäftes weiter. - Moritz Plaeschke gab auch Gedichte heraus, im Katalog der Preußischen Staatsbibliothek waren 1933 aufgeführt:
      • Es war ein herzigs Veilchen. Genrebild in 3 Aufz. 1868.
      • Aus Deutschlands Schmerzentagen. 1888.
      • Der Lindenhof. 1889.
      • Der Eisenkönig. 1890.
      • Festlied der Deutschen zum 1.4.1895.
      • Festlied z. 100jähr. Geb.feier d. hochsel. Kaiser Wilhelms I. 1897
      • Gedichte. 4.Aufl. 1901. 5.Aufl. 1912.
      • Neue Gedichte. 1908.
      • Nachklänge 1911.
      Ein im Selbstverlag aus seiner Buchhandlung erschienenes Heftchen: "Aus meinem alten Tornister", Selsterlebtes aus dem Krieg 1870/71, mit Gedichten befindet sich in meinem Besitz (Geschenk des Justizrats Alfred Plaeschke).
    2. Alfred Plaeschke, geb. 10.10.1849 in Düsseldorf, + 19.12.1907 in Essen, war Chefassistent bei der Fa. Krupp in Essen, verh. 18.5.1886 mit Karoline Künzel (geb.20.9.1859), Tochter des Fabrikdirektors Künzel in Köln.
    3. Eugen Plaeschke, geb. 6.9.1857, + 1898 in Grafenberg (unverh.)
  4. Kinder von Julius Plaeschke.
    1. Aus 1. Ehe.
      1. Ottilie Plaeschke, geb. 15.5.1888, verheiratet mit Ludwig von Löwenik, Richter in Dinkelsbühl, später Landgerichtsrat in Aschaffenburg (geb.15.10.1847, + 17.2.1898).
    2. Aus 2. Ehe.
      1. Elisabet Plaeschke, geb. 1851 in Breslau.
      2. Antonie Plaeschke, geb. 14.9.1852 in Breslau, war verheiratet mit Emil Seyler in Deidesheim (geb. 1844, + 1926). Sie starb 1876 in Deidesheim. (Eine Tochter)
      3. Alfred Plaeschke. geb. 1856, + 1866.
  5. Kinder von Rudolf Plaeschke.
    1. Marie Plaeschke. geb. 1855, + 1859.
    2. Elisabeth Plaeschke. geb. 1858, + 1860.
    3. Max Plaeschke, geb. 1861, + als Kind.
    4. Richard Plaeschke, geb. 22.1.1863, wurde nach dem Tode seiner Eltern im Hause seiner Cousine Frau Sobotta in Ohlau erzogen, studierte auf der Forstakademie in Eberswalde und starb dort 1886 am Herzschlag. Er war der Besitzer der Familienhandschrift seines Urgroßvaters Christian Gottlieb Plaeschke, der Nachlaß muß in die Hände der Familie Sobotta gelangt sein.
  6. Kinder von Adolf Plaeschke.
    1. Alfred Plaeschke, geb. 11.4.1860 in Rawitsch, besuchte nach der Stadtschule in Strehlen das Gymnasium in Breslau, seit 1875 das Gymnasium in Strehlen, dessen erster Abiturient er wurde. Er studierte 1878-1880 in Breslau, 1881 in Berlin Rechtswissenschaft und bestand 1882 das Referendarexamen am Kammergericht in Berlin. Als Referendar ausgebildet bei den Amtsgerichten Strehlen und Breslau, dem Landgericht Brieg und bei einem dortigen Rechtsanwalt, bestand er 1887 die 2. Staatsprüfung. Als Assessor dann beschäftigt bei den Amtsgerichten Strehlen, Nimptsch, Oels, Gnadenfeld, Festenberg, Ratibor und Zobten, bei den Landgerichten Ratibor und Beuthen und der Staatsanwaltschaft in Neisse. Von 1893-1898 Amtsrichter in Carlsruhe O/S, dann in Pless, 1900 Amtsgerichtsrat. Wurde 1902 nach Hirschberg versetzt, 1904 zum dortigen Landgericht, 1906 Landgerichtsdirektor in Posen. Hier blieb er bis 1920, erhielt 1915 den Titel "Geh. Justizrat" und den Roten Adlerorden 4. Klasse. 1920 wurde er an das Landgericht in Schweidnitz versetzt, trat 1925 in den Ruhestand, ging aber 1926 wieder als Hilfsrichter in den Justizdienst zurück und war erst beim Amtsgericht Schmiedeberg, dann bis 1927 in Schweidnitz tätig. 1928 baute er sich ein Eigenheim in Liegnitz und lebte dort seitdem im Ruhestand. — Am 20.11.1893 heiratete er Elise Deter (geb. 19.7.1868 in Strehlen, + 16.11.1920 Liegnitz), Tochter des Kaufmanns Hermann Deter, (lt. eigener Aussage "eine schwer hysterische Persönlichkeit hart an logischen Grenze"), von der er später getrennt lebte.

      Bei meiner Reise nach Schlesien 1937 besuchte ich auch den damals 77-jährigen, mit dem mein Vater und ich schon Briefe gewechselt hatten. Seine Schwester Adolfine führte ihm den Haushalt. Er zeigte mir seine große familiengeschichtliche Sammlung und wunder- [hier fehlt was?] sich auch, daß bei diesem reichen Material der Zusammenhang mit älteren Zweig der Familie völlig verloren gegangen war. Es war gesprächsreicher und schöner Nachmittag in seinem Hause, leider der einzige. - Alfred Plaeschke starb am 22.12.1942 in Liegnitz.
    2. Elisabeth Plaeschke, geb. 25.3.1861 in Rawitsch, + 28.1.1933 in Liegnitz, war Handarbeitslehrerin in Strehlen.
    3. Margarete Plaeschke, geb. 12.9.1862 in Strehlen, + 19.9.1922.<
    4. Adolfine Plaeschke, geb. 5.1.1864 in Strehlen, unverheiratet, führte seit 1902 den Haushalt ihres Bruders Alfred.

X. Generation.

  1. Kinder von Karl Plaeschke.
    1. Alfred Plaeschke, geb. 1871, + 1874.
    2. Helene Plaeschke, geb. 1872, + 1872.
    3. Arthur Plaeschke, geb. 20.11.1873 in Schurgast, war Kaufmann in Hannover, verheiratet seit 1917 mit Emilie Wahlert (Ehlert ?).
    4. Antonie Plaeschke, geb. 6.1.1876 in Schurgast, war verheiratet mit dem Zimmermeister Richard Zimmermann (geb. 9.11.1870, + 10.5.1922 in Schurgast. Aus der Ehe stammten 6 Kinder.
    5. Paul Plaeschke, geb. 18.12.1874 in Schurgast, war Werkmeister in Berlin, verheiratet mit Elise Schneider.
    6. Emma Plaeschke, geb. 24.11.1877 in Schurgast, heiratete am 9.10.1906 den Bürgermeister Willy Leuchsenring (geb. 20.10.1879 in Reichenbach/ O.L.), seit 1927 in Rothenburg. (3 Kinder)
    7. Alfred Plaeschke, geb. 1882, + 1888.
    8. Paula Plaeschke, geb. 1885, + 1894.
  2. Kinder von Hermann Plaeschke.
    1. Kinder aus 1. Ehe.
      1. Richard Plaeschke. geb. 1879, + 1895.
      2. Margarete Plaeschke. geb. 11.5.1883, verheiratet am 16.1.1928 mit Justiz-Obersekretär Fritz Graul.
    2. Aus der 2. Ehe.
      1. Walter Plaeschke, geb. 12.2.1893 in Breslau, war Buchhändler und führte nach dem Tode seines Vetters Rudolf 1915 die Buchhandlung Plaeschke in Krefeld weiter. Er starb am 22.6.1959.
  3. Kinder von Hugo Plaeschke.
    1. Walter Plaeschke, geb. 24.8.1888 in Köln, war aktiver Fliegerhauptmann im 1.Weltkrieg, dann Bankprokurist in Brandenburg a. H., später in Breslau, 1924 in München und schließlich in Hersfeld.
    2. Hedwig Plaeschke, geb. 5.3.1890 in Köln, heiratete am 22.6.1910 den Oberforstmeister Kellner in Reichenhall. (3 Kinder).
    3. Mathilde Plaeschke,, geb. 18.2, 1891 in Köln, verheiratet in 1. Ehe mit Oberleutnant Otto Geitner, gefallen 1916 im 1. Weltkrieg, in 2. Ehe mit Oberleutnant Franz Vogt. (2 Kinder aus 1. Ehe).
  4. Kinder von Moritz Plaeschke.
    1. Elisabet Plaeschke, geb. 5.5.1875 in Krefeld, verheiratet 29.9.1906 mit Kaufmann Adolf Heydenreich,(geb. 12.7.1859), Sohn des Pastors Heydenreich. Die Heydenreichs zogen 1883 nach Brasilien, wo sie in Sao Paulo ein großes Modehaus (gen. Casa Alemana) gründeten. Das Geschäft wurde 1910 verkauft und die Familie zog nach Berlin-Lichterfelde. 1935 baute er ein Haus in Berlin-Dahlem. Aus der Ehe stammten 5 Kinder.
    2. Alfred Moritz Plaeschke, geb. 2.3.1878 in Krefeld, verheiratet mit Josefine Huberta Schmitz, + 20.8.1916 in Nordhausen.
    3. Rudolf Plaeschke, geb. 19.2.1881 in Krefeld, wurde Buchhändler und übernahm die väterliche Buchhandlung in Krefeld. Er starb am 23.9.1915.
    4. Hilde Plaeschke, geb. 14.4.1895, + 13.1.1921 in Oberstdorf.
  5. Sohn von Alfred Plaeschke (geb.10.10.1849).
    1. Alfred Plaeschke, geb.4.5.1887 in Essen, wurde als Leutnant im 1. Weltkrieg verwundet und war dann Bankbeamter in Köln. Verheiratet 10.8.1914 mit Ella Höring (geb. 21.1.1894).
  6. Kinder von Alfred Plaeschke (geb. 11.4.1860).
    1. Alfred Plaeschke, geb. 4.9.1894, in Carlsruhe /Oberschles., lernte in Posen den Buchhandel, rückte im Sommer 1916 mit dem 20. Feld-Art. Rgt. aus Posen in die Karpathen. Dort erfror er sich im Winter die Füße und verlor den einen Fuß zur Hälfte, von dem anderen die Zehen. Er lag zwei Jahre im Lazarett. Nach dem Krieg war er in Buchhandlungen in Breslau, Schweidnitz, Kiel, Höxter und Wismar, wo er sich in den 30er Jahren eine eigene Buchhandlung erwarb, die er auch nach dem 2.Weltkrieg in der DDR als Privatbetrieb in kleinsten Verhältnissen weiterführen konnte.
      Er war verheiratet seit 7.5.1924 mit Margarete Möller, (geb. 24.3.1898, + 2.2.1971 in Wismar), Tochter des Oberpostdirektionspräsidenten Möller in Schwerin.
      Durch ihn kam ich 1933 zu dem Stammbaum unserer Familie (s. S. 2/3) und blieb auch nach dem Krieg mit ihm in Briefwechsel. 1980 mußte er wegen Erkrankung seine Buchhandlung aufgeben und zog Ende des Jahres zu seinem Sohn Herbert nach Halle/Saale. Dort ist er nach kurzem Krankenlager am 3.2.1981 verstorben.
    2. Else Plaeschke, geb. 25.5.1900 in Alsdorf Krs. Pleß, heiratete am 20.3.1920 den Gutsbesitzer Fritz Kretschmer in Schwirle/Krs. Schwerin a. d. Warthe (geb. 18.3.1888, + 6.12.1937 in Berlin). Nachdem er in Schwirle in Konkurs geraten und lange Jahre stellungslos geblieben war, erhielt er 1935 eine Anstellung am Statistischen Amt in Berlin, starb aber schon am 6.12.1937 in Berlin Wilmersdorf. - Sie wohnte bis zum Krieg weiter in Berlin und zog dann nach Freiburg i. Breisgau. Zwei Kinder leben in Freiburg/Breisg.

XI. Generation. (soweit bekannt)

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XII. Generation.

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